Veranstaltungsbericht

„Ich bleibe optimistisch“ – Patricia Espinosa, Exekutivsekretärin des UN-Klimasekretariats, zu Gast in Berlin

Patricia Espinosa, Exekutivsekretärin des UN-Klimasekretariats

Patricia Espinosa, Exekutivsekretärin des UN-Klimasekretariats

Trotz vielfältiger Herausforderungen im Kampf gegen den Klimaschutz, zeigt sich Patricia Espinosa, Exekutivsekretärin des UN-Klimasekretariats, optimistisch. Die globale Erderwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen, bleibt das Ziel der Vereinten Nationen, sagte sie im Rahmen einer Gesprächsrunde Ende Juli 2017 in Berlin. Mit dem Klimaabkommen von Paris, das vor zwei Jahren verabschiedet wurde, konnte sich die Staatengemeinschaft auf wichtige Zielvereinbarungen einigen. Jetzt gehe es darum, dass konkrete Beiträge zur Verringerung der CO2-Emmissionen geleistet werden. „Die Klimakonferenz in Bonn muss ein großer Schritt in Richtung Handeln sein", so Espinosa. Hierzu sei der Einsatz verschiedener staatlicher, zivilgesellschaftlicher und privatwirtschaftlicher Akteure gefragt. 

Zur Gesprächsrunde mit Patricia Espinosa hatte die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen in Kooperation mit dem Mercator Research Institute on Climate Change eingeladen. Rund 120 Personen waren der Einladung gefolgt und informierten sich über den aktuellen Stand der internationalen Klimapolitik im Vorfeld der 23. UN-Klimakonferenz (COP 23). Diese wird unter der Präsidentschaft von Fidschi im November in Bonn stattfinden. Die COP 23 hat die Aufgabe Detailfragen des Pariser Abkommens auszuarbeiten. Damit wird die Voraussetzung geschafft, im kommenden Jahr bei der Klimakonferenz in Polen ein Regelbuch zu verabschieden, an dem sich nationale Aktionspläne zum Klimaschutz orientieren müssen.

Das Klimaabkommen von Paris, das vor zwei Jahren verabschiedet wurde, bezeichnet Espinosa  als eine historische Einigung im Kampf gegen den Klimawandel. In bemerkenswerter Geschwindigkeit haben bereits 154 Staaten das Abkommen ratifiziert. Die Implementierung des Abkommens ist jetzt das nächste große Ziel. „Der Zug nimmt langsam Fahrt auf, die Arbeit liegt noch vor uns“ – mit diesem Bild verdeutlichte Espinosa den aktuellen Stand des weltweiten Klimaschutzes. 

Patricia Espinosa ist zwar noch neu im Amt, leitete aber als mexikanische Diplomatin bereits die Klimakonferenz 2010 in Cancún. Im Vergleich zu früheren Verhandlungsrunden spricht sie im Bereich des Klimaschutzes von einem Wandel multilateraler Politik. Zivilgesellschaftliche Akteure nähmen eine deutlich wichtigere Rolle in der Klimapolitik ein und seien für den Erfolg internationaler Konferenzen von entscheidender Bedeutung. Als Leiterin des UN-Klimasekretariats versucht Espinosa daher verstärkt die Zivilgesellschaft als Mitstreiter zu gewinnen – auch um bei Verhandlungen Druck auf nationale Regierungen aufbauen zu können. Diplomatisches Geschick ist gerade bei umweltpolitischen Themen besonders gefragt: Patricia Espinosa kann hier auf ihre Erfahrung als Diplomatin zurückgreifen.

Einarbeiten müsse sich das UN-Klimasekretariat (UNFCCC) allerdings noch stärker in die wissenschaftlichen Hintergründe und technischen Details der komplexen Thematik. Die Transformation wissenschaftlicher Erkenntnisse in politische Debatten und nationale Gesetzgebung sieht sie daher als eine der größten Herausforderungen an. Vor allem nationale Parlamentarier bräuchten eine fundierte Grundlage, um zukunftsweisende Entscheidungen treffen zu können.

Im Gespräch mit Brigitte Knopf (MCC Berlin) und durch Fragen der interessierten Zuhörerschaft wurden eine Reihe weiterer klimapolitischer Themen angesprochen. Patricia Espinosa sprach sich im Rahmen dessen für eine offene Diskussion über Möglichkeiten zur CO2-Bepreisung aus. Eine international abgestimmte Bepreisung von Treibhausgasen wird in Deutschland sowohl von Unternehmens- als auch von Umweltverbänden gefordert, um Wettbewerbungsverzerrung zu vermeiden und ein wirksames und sichtbares Instrument zur Umsetzung des Klimaschutzziels zu etablieren. Auch großtechnische Verfahren zur dauerhaften Speicherungen von CO2-Emmissionen (Carbon Capture and Storgae) hält die UNFCCC-Exekutivsekretärin für notwendig, um das 2°C-Ziel erreichen zu können. Die verstärkte Nutzung der Kernkraft sehe die Wissenschaft dagegen nicht als Allheilmittel gegen den Klimawandel. Durch nur geringe Mehrkosten können die UN-Klimaziele durch den Ausbau erneuerbarer Energien auch ohne Kernkraft erreicht werden. Diese sei in einzelne Mitgliedstaaten gesellschaftlich nämlich sehr umstritten. Darauf müsse Rücksicht genommen werden.

Damit die Dringlichkeit des Klimaschutzes in der Öffentlichkeit präsenter wird, forderte ein Zuhörer aus dem Plenum das UN-Klimasekretariat dazu auf, eine breit angelegte weltweite Kampagne zu initiieren, um für Unterstützung bei der Erreichung des 2°C-Ziels zu werben. Patricia Espinosa befürwortete dies, wies aber darauf hin, dass das Klimasekretariat hierfür leider keine ausreichenden personellen und finanziellen Ressourcen besitzt. Wenn es um den Klimaschutz geht, sind die Vereinten Nationen also in erster Linie auf die Beiträge ihrer Mitgliedstaaten angewiesen. Von kritischen Stimmen einzelner Staaten gegenüber konkreten Maßnahmen und der Ankündigung der Trump-Administration, die USA wollten wieder aus dem Klimaabkommen austreten, lässt sich Espinosa dagegen nicht verunsichern. Die USA könnten ohnehin frühesten in vier Jahren aus dem Abkommen ausscheiden, merkte sie hierzu an.

„Ich bin und bleibe optimistisch, dass wir gemeinsam die UN-Klimaziele erreichen.“ Vielleicht liegt gerade in diesem Optimismus das diplomatische Erfolgsrezept von Patricia Espinosa. Nach den erfolgreichen Verhandlungen der Pariser Konferenz, ist nun die Zeit des Handelns gekommen. Ob die internationale Staatengemeinschaft sich dabei auf einen Weg einigen kann, werden die Verhandlungen der Bonner Klimakonferenz zeigen. 

Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V. wird weiterhin intensiv über die COP23 in Bonn berichten und mit einer Delegation von JugendbeobachterInnen vor Ort sein. Die Berichterstattung können Sie auf dem DGVN-Portal oder auf über den DGVN-Facebook-Auftritt verfolgen.

Christian Buschmann

Das könnte Sie auch interessieren