Katastrophen

Wenn das arktische Eis schmilzt...

Menschen bis zur Schulter im Wasser, tragen ihre wenigen geretteten Habseligkeiten zu einem Rettungsboot

Alles, was dieser Mann bei einer Flutkatastrophe auf den Philippinen im August 2012 retten konnte, hat er in eine Styroporkiste gepackt. Die Häufung solcher Katastrophen wird von Fachleuten eindeutig auf den Klimawandel zurückgeführt. Foto: Jason Guite

Der Klimawandel hat begonnen und beschleunigt sich. Davon sind fast alle Klimafachleute überzeugt. Die UN-Klimakonferenz in Doha/Katar ist ein Anlass, um neue Studien und Berichte zur Entwicklung des Klimawandels zu veröffentlichen, die dies im Detail nachweisen und Perspektiven zur Vermeidung einer Katastrophe globalen Ausmaßes zu entwickeln.

Das UN-Umweltprogramm UNEP legte unter anderem einen Bericht zum Thema „Policy Implications of Warming Permafrost“ (Politische Folgerungen aus der Erwärmung der Permafrostböden) vor. Darin wird dargestellt, welche Auswirkungen auf das Klima das Schmelzen des Eises in arktischen Regionen für die Freisetzung von klimaschädlichen Gasen haben kann. Bisher erreichen die Dauerfrostböden in Russland, Alaska und Kanada eine Stärke von bis zu 700 Meter. In diesen Böden ist eine Menge Treibhausgase gebunden, die doppelt so groß ist wie die gesamte Menge dieser Gase in der Atmosphäre.

UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner erklärte bei der Präsentation des Berichtes: „Permafrost ist einer der Schlüssel für die Zukunft unseres Planeten, weil der Permafrostboden große Mengen gefrorener organischer Materie enthält, die dann, wenn sie auftaut ... die gegenwärtige globale Erwärmung verstärken und uns vorantreiben könnte in eine viel wärmere Welt.“

Ein Mann steht vor einer riesigen gefrorenen Eisschicht, die aussieht wie gefrorenes Watt.
Ein Wissenschaftler steht vor einer Permafrostformation an der Küste der Herschel-Insel in Kanada. Wenn das arktische Eis taut, hat dies katastrophale Folgen für das globale Klima. Foto: Michael Fritz/UNEP

Die Auswirkungen dieser Prozesse auf das Klima, die Ökosysteme und die Infrastruktur sei zu lange vernachlässigt worden. Das Schmelzen dieses Eises würde irreversible Prozesse auslösen.

Die bisherigen Klimaschutzbemühungen reichen bei weitem nicht aus

Im „Emissions Gap Report 2012“ (Emissions-Differenz-Bericht 2012) des UN-Umweltprogramms wird untersucht, wie groß die Differenz zwischen bisherigen Maßnahmen und Zusagen für den Klimaschutz und den Erfordernissen sind, um die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Nach UNEP-Berechnungen liegen die Emissionen gegenwärtig um 14 Prozent höher, als sie dies 2020 sein dürfen, damit das Ziel noch erreicht werden kann. Diese Zahl ist umso beunruhigender, als in den letzten Jahren die Kluft zwischen gerade noch verkraftbaren Emissionen und tatsächlichen Emissionen gewachsen ist, statt abzunehmen. Christina Figueres, die Exekutivsekretärin des UN-Klimasekretariats UNFCCC, kommentierte den Bericht so: „Er erinnert uns daran, dass die Zeit knapp wird. Aber die technischen Möglichkeiten und die politischen Instrumente, die es der Welt erlauben, unterhalb des Maximums von zwei Grad zu bleiben, sind für Regierungen und Gesellschaften verfügbar.“

Mehr Hitze, mehr Kälte und mehr Stürme

Wie knapp die Zeit zum Handeln geworden ist, macht eine in Doha vorgelegte Analyse der „Weltorganisation für Meteorologie“ (WMO) deutlich. Die Wetter- und Klimaforscher haben festgestellt, dass die Jahre 2001 bis 2011 die wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen waren. Die Daten für die ersten 10 Monate des Jahres 2012 lassen bereits erkennen, dass sich dieser Trend fortsetzt. In diesen Monaten lagen die Durchschnittstemperaturen über Landflächen und Ozeanen weltweit um 0,45 Grad Celsius über dem Durchschnitt von 1961 bis 1990, ein gewaltiger Anstieg innerhalb weniger Jahre.

2012 kam es vor allem in den Monaten März bis Mai zu außergewöhnlichen Hitzeperioden in den USA und in Europa. Außerdem gab es dieses Jahr eine Häufung von langen Dürreperioden, unter anderem in den USA, in Südosteuropa, im Mittelmeerraum und in China. Demgegenüber wurde Westafrika von Flutkatastrophen heimgesucht, ebenso Teile von Südchina und von Pakistan. Auch aus dem Norden Argentiniens und aus Kolumbien wird von außergewöhnlich starken und lang andauernden Niederschlägen berichtet. Zu den Extremwetterereignissen gehörte auch eine Kälteperiode mit äußerst niedrigen Temperaturen im Osten Russlands. Zu erwähnen sind schließlich die zahlreichen besonders starken Hurrikans in der Karibik und der Ostküste der USA.

Auch wenn jedes einzelne dieser Extremwetterereignisse nicht kausal auf den Klimawandel zurückgeführt werden kann, ist ihre Häufung ein Grund für die WMO, vor den Gefahren des Klimawandels zu warnen und einen entschiedenen Klimaschutz zu fordern. Ob die Regierungen daraus die erforderlichen Konsequenzen ziehen, wird sich bei der UN-Klimakonferenz in Doha zeigen.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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