Energiefragen & Treibhausgase

UN-Entwicklungsprogramm: Licht für Lesotho

Ein Solarmodul vor einer kleinen, runden Lehm-Ziegel-Hütte

Solarsysteme, die in abgelegenen Dörfern installiert werden, versorgen die Bewohner mit lange entbehrter Elektrizität. Foto: UNDP Lesotho

Viele Jahre lang war es in den meisten ländlichen Gebieten Lesothos ein unerreichbarer Traum, Elektrizität zu erhalten. „Das Leben war schwierig“, erinnert sich Me Atang Seoa, die Besitzerin eines kleinen Ladens im Dorf Sehong-Hong in den Bergen des Landes. „Kunden kamen auch nach Einbruch der Dunkelheit, aber das Licht der Kerzen war völlig unzureichend.“

„In unserem Dorf war es stockfinster“, fügt Mathabang Hlekiso hinzu, die Mutter von fünf Kindern. „Manchmal konnten wir es uns nicht leisten, Paraffin für unsere Lampen zu kaufen. Auch konnten wir unsere Mobiltelefone nicht im eigenen Dorf aufladen, sodass es dann nicht möglich war, dringende Nachrichten zu senden. Abends war es für unsere Kinder schwierig zu lernen.“

Nur 28 % der zwei Millionen Einwohner des südafrikanischen Landes Lesotho haben Zugang zu Elektrizität, und in abgelegenen ländlichen Gebieten sind es sogar nur 5 %. Dabei verfügt das Land über ein großes Potenzial an Wind-, Solar- und Hydro-Energie.

Solarenergie für ländliche Gebiete

Das UN-Entwicklungsprogramm UNDP hat sich zum Ziel gesetzt, abgelegene Dörfer in Lesotho ohne Anschluss an das Stromleitungsnetz mit bezahlbarer Elektrizität zu versorgen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde in Partnerschaft mit der Regierung das „Renewable Energy-Based Rural Electrification Project“ (Ländliches Elektrifizierungsprojekt auf der Grundlage von Erneuerbarer Energie) ins Leben gerufen. Finanziert wird das Vorhaben durch die Globale Umweltfazilität (Global Environment Facility – GEF). In drei Pilotdistrikten wurden Mittel bereitgestellt, um zu demonstrieren, wie Solarenergie für produktive Zwecke eingesetzt werden kann.

So wurde zum Beispiel in dem Dorf Matsoaing ein Bewässerungsprojekt auf Solarenergie umgestellt. Bis dahin wurde das Wasser mit einer Dieselpumpe auf die Felder geleitet. Aber es war schwierig für die Dorfbewohner, immer rechtzeitig Diesel aus der Stadt zu beschaffen. Nicht selten war das Bewässerungssystem tagelang lahmgelegt, bis neuer Treibstoff eintraf. Dass nun Solarenergie für den Betrieb einer Pumpe genutzt wird, bedeutet gleichzeitig, dass die hohen Kosten für den Kauf des Diesels entfallen.

Neue Jobs und eine verlässliche Wartung der Anlagen

Um den langfristigen reibungslosen Betrieb der Fotovoltaik-Anlagen zu gewährleisten, wurden in den drei Pilotdistrikten insgesamt 90 lokale Handwerker ausgebildet, die Solarsysteme zu warten und zu reparieren. Auf diese Weise entstanden neue Jobs, und für die Zukunft wird erwartet, dass noch mehr junge Leute eine Ausbildung und eine Beschäftigung in diesem Bereich erhalten. Örtliche technische Ausbildungsstätten werden ermutigt, ihre Curricula für den Solarbereich auszubauen, um mehr Techniker auf diesem Sektor aus- und fortzubilden. Hierfür erhielten die Institute eine Grundausstattung an Solarenergie-Technik für Ausbildungszwecke.

Ein Arbeiter steht in einer Hütte auf einer Leiter und schaut sich Stromkabel an
Die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte im Rahmen des Projektes ermöglicht eine fachgerechte Installation von Solar- und Elektroanlagen. Foto: UNDP Lesotho

Die Förderung des Privatsektors

Das Projekt hat außerdem die Fähigkeit des Privatsektors gestärkt, Solaranlagen zu bauen und zu warten. Mehr als die Hälfte der Solarunternehmen Lesothos haben von dem UNDP-Projekt profitiert und haben jetzt preiswertere Systeme für ländliche Gebiete im Angebot. Zur Förderung gehörte es, Kreditgarantien zu gewähren, damit die Solarunternehmen Bankkredite für Investitionsvorhaben in ländlichen Gebieten erhalten können. Eine Solarmesse und die Förderung der Solarenergie über die drei Pilotdistrikte hinaus hat es ermöglicht, dass sich die Zahl der Unternehmen, die Solartechnik anbieten, seit 2008 mehr als verdreifacht hat.

Eine positive Zwischenbilanz

Zu den Ergebnissen der ersten Phase des Projektes gehörte die Erarbeitung eines Handbuches für die Installation und Wartung von Solaranlagen in der einheimischen Sprache Sesotho, das inzwischen überall verfügbar ist.

Agi Veres, die stellvertretende UNDP-Repräsentantin in Lesotho, betont, dass das Projekt nicht nur große Erfolge in den drei Pilotdistrikten aufzuweisen hat, „sondern es ist auch wichtiger Teil einer Initiative zur Unterstützung des Privatsektors und von Gemeinschaften, die nicht in der ersten Phase dieses Projektes einbezogen waren“. Das Projekt wird fortgeführt und ausgeweitet.

In den 65 Dörfern, die zunächst in das Projekt einbezogen wurden, haben 5.000 Haushalte mit etwa 30.000 Bewohnern den Zugang zu bezahlbarer und erneuerbarer Energie erhalten. Nun sind vom Aufladen von Mobiltelefonen und bis zur Beleuchtung in der Dunkelheit viele Nutzungsmöglichkeiten von Elektrizität möglich.

Me Atang, die Ladenbesitzerin im Dorf Sehong-Hong, kann jetzt ihren Laden auch nach Einbruch der Dunkelheit offen halten und so seine Einnahmen erhöhen: „Wir können jetzt den Laden so lange öffnen, bis wir müde sind. Und unsere Kundinnen und Kunden können die Waren dank der Solarlampe sehr viel besser sehen.“

Ein Bericht über das Projekt kann auf der UNDP-Website als pdf-Datei heruntergeladen werden. Auf YouTube ist ein Film über das Projekt verfügbar.

Mehr über die UNDP-Arbeit in Lesotho finden Sie auf der Seite www.ls.undp.org.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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