Klimaflucht

Sahel-Zone: Flucht vor den Folgen des Klimawandels

In einer UN-Studie ist der komplexe Zusammenhang von Klimawandel, Migration und Konflikten untersucht worden. Foto:UNEP

Die Durchschnittstemperatur in der westafrikanischen Sahelzone hat sich zwischen 1970 und 2006 um durchschnittlich etwa 1 Grad Celsius erhöht, in einigen Gebieten sogar um bis zu 2 Grad. Das ist für einen so kurzen Zeitraum eine dramatische Erhöhung, die gravierende Auswirkungen auf Niederschläge, Vegetation und Bevölkerung gehabt hat. Dies geht aus einer Studie hervor, die das UN-Umweltprogramm UNEP am 5. Dezember 2011 bei der internationalen Klimakonferenz in Durban präsentiert hat. Berücksichtigt wurden die 17 westafrikanischen Staaten südlich der Sahara vom Atlantik bis zum Tschad.
Die Studie „Livelihood Security: Climate Change, Migration and Conflict in the Sahel” (Sicherheit der Lebensgrundlagen: Klimawandel, Migration und Konflikt im Sahel) entstand in Zusammenarbeit von UNEP und weiteren UN-Programmen und -Einrichtungen. Die Ergebnisse hat UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner bei der Vorstellung der Studie so zusammengefasst: „Die Analyse unterstreicht, wie die Konkurrenz von Gemeinschaften um knappe Ressourcen wie Land, Wasser und Wälder in Westafrika bereits Realität ist. Die regionale Zusammenarbeit bildet den Schlüssel dafür, Spannungen abzubauen, Risiken zu beherrschen und die Möglichkeiten zunehmender Konflikte durch die Umweltveränderungen ausgelöste Migration zu drosseln.“  

Zunehmende Konflikte von Viehzüchter- und Bauernfamilien

Die Studie belegt, dass Viehzüchterfamilien in der Sahelzone durch verminderte Niederschläge, eine wachsende Zahl lang anhaltender Dürreperioden, heftige Flutkatastrophen und zunehmende Wasserknappheit dazu gezwungen werden, traditionelle saisonale Wanderbewegungen mit ihrem Vieh aufzugeben, weiter nach Süden zu ziehen und sich dort dauerhaft niederzulassen. Diese neuen Migrationsbewegungen verschärfen die Konflikte zwischen Ackerbauern und Viehzüchtern um die verbliebenen knappen Ressourcen wie Wasser und Land. Die Situation wird in Zukunft noch schwieriger, weil es zusätzlich eine Fluchtbewegung aus den westafrikanischen Küstenregionen ins Landesinnere geben wird, da mit steigendem Meeresspiegel flache Küstenzonen überflutet werden.

Regionale Zusammenarbeit unverzichtbar

Im UNEP-Bericht werden eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, um eine Anpassung an diese Klimaänderungen zu ermöglichen. Sie zielen u.a. ab auf die Verbesserung der Ernährungssicherheit und den Abbau von Konfliktpotenzial. Da Klimawandel und Migration regionale Prozesse sind, ist eine regionale Zusammenarbeit in Westafrika erforderlich, um die Migrationsprozesse so zu gestalten, dass Konflikte vermieden oder abgebaut werden. Zugleich soll durch gezielte Anpassungsmaßnahmen erreicht werden, dass mehr Menschen ihre Lebensgrundlagen in den bisherigen Lebensräumen bewahren können. Dazu gehört auch die Schaffung von Arbeitsplätzen im Rahmen der Umgestaltung zu einer „green economy“.
Einen ausführlichen Bericht über die Studie finden Sie auf der UNEP-Website. Hier besteht auch die Möglichkeit, den Bericht herunterzuladen.
(Frank Kürschner-Pelkmann)

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