Politik & Gesellschaft

Nobelpreisträger: „Städte entwickeln, den Planeten schützen“

Hongkong Skyline bei Nacht

Millionenstädte wie Hongkong tragen viel zum Klimawandel bei – und sind in besonderem Maße von seinen Folgen betroffen. Foto: pixelio.de/Michael Lemke

Etwa 75% aller klimaschädlichen CO2-Emissionen durch die Verbrennung fossiler Energieträger entstehen in Städten, wo aber nur etwas mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt. Auf diese beunruhigende Tatsache verwies der australische Medizinnobelpreisträger Peter Doherty bei einem Symposium in Hongkong. Er fügte hinzu, dass 2050 bis zu 80% der Menschen in großen Städten leben werden. Entsprechend groß sind die Klimarisiken durch die Urbanisierung.

Peter Doherty gehörte zu den Nobelpreisträgern unterschiedlicher Fachrichtungen aus aller Welt, die sich vom 22. bis 25. April 2015 in Hongkong versammelten, um die Debatte über den Klimawandel auf eine neue Ebene zu heben. Zum vierten Mal seit 2007 trafen sie sich zu einem Symposium, dieses Mal zum Thema „4C: Changing Climate, Changing Cities“. Das „4C“ ist eine Warnung davor, dass sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um 4 Grad Celsius aufheizen wird, wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht stark verringert wird. Vor allem in den Städten wird sich entscheiden, ob die Menschheit dem Klimawandel wirksam entgegen treten kann.

Zu dem Symposium der zwölf Nobelpreisträger hatten das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und das Asia Society Hong Kong Center eingeladen. Es nahmen auch weitere bekannte Klimafachleute an dem Treffen teil. Die Exekutivsekretärin des UN-Klimasekretariats Christiana Figueres und der Präsident der Weltbank Jim Young Kim trugen mit Videobotschaften zu den Beratungen bei.

Hans Joachim Schellnhuber, der Direktor des Potsdam-Instituts und führende Wissenschaftler im Rahmen des Weltklimarates IPCC, sagte zur Bedeutung des Symposiums: „Städte – besonders die rasant wachsenden in Asien – stehen im Mittelpunkt dieser Herausforderung, und Hongkong könnte in mancher Hinsicht ein Laboratorium des Wandels sein (…) Um unseren Planeten für zukünftige Generationen zu bewahren und um auch etwas für die Menschen an den Rändern unserer modernen Gesellschaften zu tun, brauchen wir mehr als Wirtschaftswachstum – wir brauchen Nachhaltigkeit, einschließlich einer neuen Vision für den Städtebau.“

Warnungen und Mahnungen

Professor Peter Doherty warnte als Mediziner vor den Folgen von Untätigkeit angesichts des Klimawandels. Zu den direkten Auswirkungen stark steigender Temperaturen wird ein zunehmender Hitzestress gehören, zu den indirekten Auswirkungen mehr Hunger und eine stärkere Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria. Der Physiknobelpreisträger Brian Schmidt fügte hinzu, dass die Menschheit „im Begriff ist, der Erde in den nächsten 35 Jahren mehr Schaden zuzufügen als in den letzten 1.000 Jahren“.

Der taiwanesische Chemienobelpreisträger Yuan T. Lee warnte vor den Auswirkungen des Klimawandels auf Städte: „Städte sind in besonderer Weise anfällig für die Risiken, die durch den Klimawandel entstehen, darunter bisher nie da gewesene Hitzewellen oder Fluten. Länder wenden enorm hohe Summen auf, um sich gegen andere Nationen zu verteidigen. Sie vergessen, dass der Klimawandel unser größter gemeinsamer Feind ist. Städte scheinen dies sehr viel besser zu verstehen (…) viele von ihnen leisten Wegweisendes.“

Entschiedenes Handeln gefordert

Während des Symposiums wurde ein gemeinsames Memorandum zum Thema „Die große Transformation“ formuliert, um die Botschaft der Nobelpreisträger von Risiken und Chancen zu Bürgermeistern, Unternehmen und Politikern weltweit zu tragen. In dem Memorandum werden verstärkte Maßnahmen der Städte zum Klimaschutz gefordert: „Wir fordern alle Stadtverwaltungen, innovativen Kräfte und den Privatsektor auf, zusammenzuarbeiten, um Ressourcen freizusetzen und durch wissenschaftlich abgesichertes Handeln vor Ort zur Begrenzung des von Menschen verursachten Klimawandels beizutragen.“

Gruppenfoto während das Memorandum unterschrieben wurde
Unterzeichnung des Memorandums der Nobelpreisträger in Hongkong. Stehend von links: George F. Smoot, Peter C. Doherty, William E. Moerner, Brian Schmidt. Vorne: James Mirrlees und Penny Sackett. Foto: PIK/Asia Society

Einige Monate vor der nächsten UN-Klimakonferenz, auf der ein neues internationales Klimaabkommen verabschiedet werden soll, formulierten die Nobelpreisträger: „Wir fordern die Nationen dazu auf, nationale Ziele zu verabschieden und zu erreichen, die sich im Einklang mit der international vereinbarten Leitlinie von 2 Grad Celsius befinden. Wir fordern die nationalen politischen Führer und Entscheidungsträger auf, auf den Ruf zu hören, der nicht nur von führenden Wissenschaftlern und Ökonomen kommt, sondern auch von den eigenen Städten und Bürgern, bei der UN-Klimakonferenz in Paris ein kraftvolles, gerechtes und wissenschaftlich fundiertes Abkommen zu erreichen, und zwar in Partnerschaft mit Bürgermeistern, Wirtschaftsverantwortlichen und Zivilgesellschaft.“

(Frank Kürschner-Pelkmann)

Das könnte Sie auch interessieren