Katastrophen

Mit Mauern und Wissen die Folgen des Klimawandels bekämpfen

Eine Gruppe von Frauen bearbeiten zusammen ein Feld.

Die CC DARE-Initiative wurde geschaffen, um lokales Engagement für die Anpassung an den Klimawandel zu fördern. In Mosambik wurden zum Beispiel in der Landwirtschaft neue Anbaumethoden eingeführt. Foto: UNEP

Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel sind in Afrika immer dringender erforderlich, denn die Auswirkungen dieses Klimawandels wie Dürrekatastrophen und andere Wetterextreme häufen sich auf diesem Kontinent. Deshalb trafen sich Anfang April 2012 in Nairobi etwa 120 Vertreterinnen und Vertreter afrikanischer Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, UN-Einrichtungen und weiterer Organisationen, um über ihre Erfahrungen mit Anpassungsprogrammen zu diskutieren. Sie kamen unter anderem zum Ergebnis, dass erfolgreiche Beispiele auf dem Kontinent stärker bekannt gemacht werden sollten und dass mehr getan werden muss, um die Zahl erfolgreicher lokaler und nationaler Programme zu erhöhen. Eingeladen zu diesem Workshop hatte die UN-Initiative CC DARE, und von CC DARE erhoffen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch mehr Aktivitäten, um Afrika besser auf den Klimawandel vorzubereiten.

Die Abkürzung CC DARE steht für „Climate Change and Development – Adapting by Reducing Vulnerability” (Klimawandel und Entwicklung – Anpassen durch die Verminderung der Verletzbarkeit). Dies ist eine gemeinsame Initiative des UN-Umweltprogramms UNEP und des UN-Entwicklungsprogramms UNDP und wird vom dänischen Außenministerium finanziert. CC DARE hat seinen Sitz in Nairobi. Im Rahmen des Programms werden afrikanischen Staaten sowie kleine Inselstaaten in anderen Regionen des Südens der Welt auf Wunsch dabei unterstützt, Maßnahmen zur Anpassung an den inzwischen nicht mehr zu vermeidenden Klimawandel zu planen, zu finanzieren und umzusetzen. Dabei engagiert sich CC DARE jeweils nur bis zu sechs Monate in einem bestimmten Programm. Gegenwärtig arbeitet CC DARE mit elf afrikanischen Ländern zusammen.

Ausgangspunkt für das Engagement in einem Land ist das Interesse der betreffenden Regierung an einer Zusammenarbeit. In die konkrete Arbeit werden dann neben unterschiedlichen Regierungsstellen auch Nichtregierungsorganisationen, Schulen und andere Organisationen einbezogen. Ein Ziel ist die Einbettung von Klima- und Anpassungsthemen in die staatliche Entwicklungsplanung. Dabei gilt es, staatliche Programme mit den Initiativen von Nichtregierungsorganisationen und anderen lokalen Akteuren zu verknüpfen, wobei CC DARE die Partizipation von Frauen besonders wichtig ist. Wie bei dem Workshop in Nairobi kommt dem Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten Ländern ein hoher Stellenwert zu.

Einige Menschen sind dabei, die Pflanzungen auf der neuen Mauer zu gießen.
Durch Schutzmauern wird verhindert, dass das Stadtviertel von Xai-Xai in Mosambik überflutet und wertvolle Erde in den Fluss gespült wird. Foto: CC DARE

Der Kampf gegen Flutwellen in Mosambik

Die Stadt Xai-Xai an der Mündung des Limpopo-Flusses in Mosambik leidet immer wieder unter Überschwemmungen und Bodenerosion als Folge heftiger Niederschläge und hoher Wasserstände des Flusses. Prognosen besagen, dass die Stadt durch den Klimawandel mit noch häufigeren und stärkeren Extremwetterereignissen rechnen muss. Deshalb wurde im Rahmen des CC DARE-Engagements in Mosambik gemeinsam mit der Stadtverwaltung der Plan entwickelt, gefährdete Stadtbereiche durch Schutzmauern vor den Folgen zukünftiger Flutwellen zu schützen.

Die Mauern werden aus lokal hergestellten großen Hohlziegeln aufgeschichtet. Junge Leute wurden ausgebildet, solche Hohlziegel herzustellen. Das hat den Nebeneffekt, dass diese Handwerker diese Ziegel inzwischen auch für andere Bauten fertigen und sich eine Existenz aufbauen konnten. Durch eine bereits fertiggestellte lange Mauer werden 15.000 Stadtbewohner vor Flutwellen geschützt. Außerdem wird verhindert, dass weiterhin fruchtbare Erde in den Fluss gespült wird. Nun ist es möglich, die Bepflanzung der früher flutgefährdeten Gebiete zu erneuern und den Boden so langfristig vor Erosion zu schützen.   

Rita Muianga, die Bürgermeisterin von Xai-Xai hat das Projekt mit diesen Worten gelobt: „Durch das CC DARE-Programm haben die Bewohner von Xai-Xai das Wissen erworden, um die Anpassung an den Klimawandel voranzubringen. Die konkreten Demonstrationen durch dieses Programm haben nicht nur geholfen, die Fähigkeiten der Stadtbevölkerung zu erhöhen, sondern auch das sozio-ökonomische Wissen vermittelt, um auch in Zukunft die Auswirkungen des Klimawandels zu analysieren. Dies ist eine Form des Handelns, die wir uns für unsere Stadt, für unser Land und für Afrika wünschen.“

Schulen auf den Seychellen sammeln Regenwasser

Die Inselgruppe der Seychellen verfügt nur über sehr begrenzte Süßwasserressourcen, und es wird befürchtet, dass der Klimawandel die Niederschlagsmenge noch vermindern könnte. Deshalb wurde im Rahmen der CC DARE-Initiative 2008 die Schule in Belonie dabei beraten und unterstützt, das Regenwasser zu sammeln und zu speichern, das auf die Dächer der Schulgebäude fällt. Das gespeicherte Wasser wird für die Schultoiletten, zum Reinigen der Gebäude und für die Schulgärten genutzt. Verknüpft mit der Sammlung des Regenwassers ist die Vermittlung von Kenntnissen über den Klimawandel an die Schülerinnen und Schüler.

Am 22. Juli 2010 berichtete die lokale Tageszeitung „Nation“ in einem ausführlichen Beitrag über die Erfolge dieses Pilotprojektes, das inzwischen von neun weiteren Schulen übernommen wurde. In dem Bericht heißt es über die vier Zielsetzungen des Vorhabens: „Es wird Regenwasser gesammelt, um den Wasserbedarf der Schulen zu decken und die Wasserrechnungen zu reduzieren; die Schulkinder werden über die Auswirkungen von Klimawandel und die Verfügbarkeit von Wasser unterrichtet, ebenso über die Methoden der Anpassung an diese Veränderungen; es wird ein Beitrag dazu geleistet, das Bewusstsein der Bevölkerung für die Auswirkungen des Klimawandels auf die Seychellen zu erhöhen und ebenso darüber, welchen Beitrag das Sammeln von Regenwasser leisten kann, um sich an die Wasserprobleme als Folge des Klimawandels anzupassen; und schließlich sollen die Erfahrungen der Schulen mit Anlagen zum Sammeln von Regenwasser an andere Organisationen weitergegeben werden.“ Inzwischen wird die Initialförderung des Vorhabens durch CC DARE von anderen Organisationen fortgeführt.

Über einen langgestreckten Hang sieht man die jungen aufgeforsteten Bäume.
Im Makete-Distrikt im Süden Tansanias führte die rücksichtslose Abholzung von Wäldern und anderen Gehölzen zu gravierenden ökologischen Schäden. Es wurde befürchtet, dass als Folge des Klimawandels die Bodenerosion weiter voranschreiten könnte. Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung wurde deshalb eine Initiative zur Aufforstung und zur nachhaltigen Nutzung der Wälder gestartet, die schon erste Erfolge vorzuweisen hat. Foto: CC DARE

 

Viele kleine Erfolgsgeschichten

Dadurch, dass im Rahmen des CC DARE-Programms die einzelnen Vorhaben nur für maximal ein halbes Jahr gefördert werden, ist es möglich, mit begrenzten Finanzmitteln eine größere Zahl von Vorhaben zu beraten und zu unterstützen. Zu den bisherigen Programmen gehörten zum Beispiel die Einführung einer nachhaltigen Form der Waldbewirtschaftung im Makete-Distrikt in Tansania, ein Journalistenausbildungsprogramm in Togo zur Thematik Anpassung an den Klimawandel, die Einbeziehung von Klimathemen in das Curriculum der Landwirtschaftsfakultät der Universität von Malawi und die Fortbildung von lokalen Politikern und Verwaltungsangestellten in Benin, um sie zu befähigen, konkrete Anpassungsmaßnahmen für ihre Region zu planen. Mehr Informationen und Beispiele zur Arbeit von CC DARE finden Sie in einer Broschüre und auf der Website des Programms.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

 

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