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„Klimawandel auf dem Teller“

Marktstand mit Tomaten

Die Welternährungsorganisation FAO sieht in einem höheren Anteil von Getreide, Gemüse und Obst einen Beitrag zur Sicherung der Ernährung der Menschheit und ebenso zum Klimaschutz. Foto: Ami Vitale/FAO

Würden die deutschen Bundesbürger ihren Fleischkonsum auf ein gesundes Maß reduzieren und weniger Lebensmittel auf dem Müll werfen, könnten pro Jahr 67 Millionen Tonnen an Treibhausgasemissionen eingespart werden. Diese Einsparung würde etwa dem jährlichen Gesamtausstoß Portugals entsprechen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Naturschutzorganisation  WWF. Der WWF fordert daher, der Landwirtschaft und dem weltweit steigenden Fleischkonsum als Faktor im Kampf gegen den Klimawandel endlich mehr Bedeutung beizumessen. In der Studie wird festgestellt: „Nahezu 70 % der direkten Treibhausgasemissionen unserer Ernährung sind auf tierische Produkte zurückzuführen, auf pflanzliche Produkte dagegen nur knapp ein Drittel.“

Titelseite der Studie
Die Naturschutzorganisation WWF plädiert zur Begrenzung des globalen Klimawandels für eine drastische Reduzierung des Fleischkonsums.

„Wer in der Mittagspause statt Schinkenbrötchen oder Hamburger, die Pasta mit Tomatensauce oder Ratatouille wählt, betreibt aktiven Klimaschutz“, fasst Tanja Dräger de Teran, WWF-Referentin Klimaschutz und Ernährung die Ergebnisse der Studie „Klimawandel auf dem Teller“ zusammen. „Selbst wenn jeder Bundesbürger nur einmal pro Woche auf Fleisch verzichten würde, könnte das noch zu einer jährlichen Einsparung von rund neun Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen führen. Das entspricht umgerechnet 75 Milliarden PKW-Kilometern.“

Eine gesündere Ernährung gemäß den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (450 Gramm Fleisch pro Woche) wirkt sich laut WWF entsprechend positiv auf den Ressourcen- und Klimaschutz aus. Die Studie zeigt darüber hinaus, dass die „indirekten Emissionen“ von erheblicher Bedeutung sind. Indirekte Emissionen entstehen etwa durch die Umwandlung tropischer Regenwälder in Weideland oder Anbaufläche für Tierfuttermittel. In Abhängigkeit davon, wie sich die weltweiten Ernährungsgewohnheiten ändern und wie viel Lebensmittel auf den Müll geschmissen werden, könnten erhebliche Mengen an Treibhausgasen eingespart werden.

Die pdf-Version der Studie kann auf der WWF-Website heruntergeladen werden.

Welternährungsorganisation FAO

Auch die Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO verweist auf die Folgen eines steigenden Fleischkonsums und plädiert für eine deutliche Reduzierung. In dem Ende August 2012 veröffentlichten Bericht „Feeding a Thirsty World“ stellt die FAO dar, dass die Menschheit gegenwärtig 20 Prozent der Proteine in Form von Tierprodukten zu sich nimmt. Dieser Anteil müsste aber bis 2050 auf fünf Prozent vermindert werden, sind die Fachleute überzeugt, um die dann um zwei Milliarden Menschen gewachsene Weltbevölkerung zu ernähren.

Als ein wichtiges Problem werden in dem Bericht die vermehrten Dürren identifiziert, die bekanntlich mit dem globalen Klimawandel verbunden sind. Eine Konsequenz ist, dass die Wasserknappheit in vielen Regionen der Welt zunimmt. Da die Landwirtschaft schon heute weltweit etwa 70 Prozent des von Menschen genutzten Wassers beansprucht, ist eine effizientere Wassernutzung unverzichtbar. Das erfordert u.a. bessere Bewässerungstechniken. Auf solche Möglichkeiten geht der gemeinsam mit dem „International Water Management Institute“ und dem „Stockholm International Water Institute“ erarbeitete Bericht ausführlich ein. Aber nach Auffassung der Verfasser reichen solche Einsparungen nicht aus. Es ist auch erforderlich, den Fleischkonsum drastisch einzuschränken, weil für die Erzeugung von Fleisch sehr viel mehr Wasser erforderlich ist als für Getreide und Gemüse.

Den Bericht können Sie als pdf-Datei herunterladen.  

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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