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Grüne Dächer gegen die Hitze

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Das Umweltbundesamt hat mit seinem Neubau in Dessau ein Beispiel dafür gezeigt, wie umwelt- und klimagerecht gebaut werden kann. Copyright: Linnart Unger/UBA

Hitzewellen, Hochwasser und Starkregen nehmen in Deutschland weiter zu und können immense volkswirtschaftliche Schäden verursachen. Eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) bewertet nun systematisch „Kosten und Nutzen von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel“. UBA-Präsident Jochen Flasbarth betonte bei der Präsentation der Studie: „Auch wenn wir eine erfolgreiche Klimaschutzpolitik machen, lässt sich ein Teil des Klimawandels nicht mehr vermeiden. Wir müssen uns deshalb bereits heute an die Folgen des Klimawandels anpassen.“ Zu den Ergebnissen der Studie äußerte Flasbarth: „Wie die Kosten-Nutzen-Analyse des Umweltbundesamtes zeigt, gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die Bund, Länder und Kommunen bereits heute anstoßen können und die vergleichsweise günstig sind.“

Schwierige, aber lohnende Berechnungen

Das Umweltbundesamt stellt mit der Studie erstmals Kriterien zur einheitlichen Kosten-Nutzen-Bewertung von Anpassungsmaßnahmen vor. Die Studie wendet diese in 28 Fallstudien unter anderem für die Landwirtschaft, die Stadtplanung oder Infrastrukturinvestitionen an. Mit der Studie soll es der Politik erleichtert werden, Prioritäten bei Anpassungsmaßnahmen zu setzen. Es gelte, eine Vielfalt der Auswirkungen des Klimawandels zu berücksichtigen und dabei auch zu beachten, dass einige Maßnahmen jetzt eingeleitet werden müssen, um nach Jahrzehnten ihre volle Wirksamkeit erzielen zu können.

Die Titelseite der Studie zeigt ein Himmel mit Schäfchenwolken
Titelseite der Studie „Kosten und Nutzen von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel"

Die Fachleute, die die Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes erarbeitet haben, befassten sich u.a. mit dem Schutz von Gebäuden vor Stürmen, Deicherhöhungen, hitzeresistenten Straßenbelägen und Katastrophenschutzplänen. Es stellte sich allerdings heraus, dass in vielen Fällen nur in begrenztem Umfang verlässliche Daten für eine Kosten-Nutzen-Analyse vorliegen.

Begrünte Dächer als nützliche Investition

Als besonders erfolgversprechend und rentabel erweist sich die Begrünung von Dächern gegen sommerliche Hitze in Städten. Das Begrünen von Dächern reduziert die Temperatur deutlich. In einem UBA-Hintergrundpapier zur Studie heißt es hierzu: „Grünflächen wie Parks, Gärten und Alleen haben die Fähigkeit, Niederschlagswasser zu speichern, führen über Verdunstung zu einer Verringerung der Lufttemperatur und können somit den Wärmeinsel-Effekt in Städten reduzieren. In vielen dicht besiedelten Städten besteht am Boden jedoch nur noch wenig Freiraum für Grünflächen. Dachbegrünungen stellen daher eine wichtige Option zur Schaffung weiterer innerstädtischer Grünflächen dar. Dachbegrünungen tragen zur Absorption von Sonnenenergie bei. Sie sind auf den meisten Dächern möglich, insbesondere Flachdächer können zumeist problemlos begrünt werden.“ Selbst bei einer großzügigen Förderung von 15 Euro je Quadratmeter begrünter Dachfläche ergibt sich ein höherer Nutzen, und dies umso mehr, wenn auch soziale Folgen wie die positiven Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit einbezogen werden. Dies ist auch deshalb der Fall, weil begrünte Dächer eine lange Lebensdauer haben und sich die positiven Effekte über Jahrzehnte auswirken.

Ein Holzhaus mit einem kleinen, schrägen begrünten Dach
Begrünte Dächer sind nach Erkenntnissen des Umweltbundesamtes eine wirksame Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel. Foto: Johannes Gerstenberg/pixelio.de

Ebenfalls als wirtschaftlich erweisen sich die Renaturierung von Auenwäldern zum Schutz vor Hochwasser und der Einsatz hitzeresistenter Beläge gegen Straßenschäden. Auch systematische Hitzewarnungen auf kommunaler Ebene und entsprechende Maßnahmen zur Kühlung, insbesondere in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, kosten vergleichsweise wenig, entfalten aber große Wirkung. Ein schlechteres Kosten-Nutzen-Verhältnis weisen dagegen umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen auf. Dazu zählen neue Dämme gegen Überflutungen oder der Ausbau des Kanalisationsnetzes.

Kostengünstige Maßnahmen entlasten öffentliche Haushalte

Das Umweltbundesamt empfiehlt Ländern und Kommunen, bei einer regulären Erneuerung von Straßen, Gebäuden oder Einrichtungen den Klimawandel bereits mit einzuplanen. Möglicherweise lohnt es sich zum Beispiel, in besonders wetterfesten Asphalt zu investieren. „Vor allem auf extreme Wetterereignisse sollten wir besser vorbereitet sein, etwa indem wir Überflutungsflächen zum Schutz vor Hochwasser freihalten“, so UBA-Präsident Flasbarth. „Die Studie bietet ein Gerüst, um effektive und kostengünstige Maßnahmen zur Anpassung zu identifizieren. Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Mittel können wir uns Investitionen, die sich später als unwirksam herausstellen, schlichtweg nicht leisten.“

Weitere Informationen zur Thematik finden Sie auf der Website des Kompetenzzentrums Klimafolgen und Anpassung im Umweltbundesamt (KomPass).

(Frank Kürschner-Pelkmann)

 

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