Wirtschaft

Die große Chance: Grüne Wirtschaft in Afrika

Eine kleine Solaranlage steht vor einem Gebäude

Die Erzeugung von Solarenergie wie hier in Liberia hat im sonnenreichen Afrika eine große Zukunft. Foto: UN Photo/Christopher Herwig

Auf einem Kontinent, wo die Sonne durchschnittlich 325 Tage im Jahr scheint, hat Solarenergie eine große Zukunft. Ebenso besitzt die Energieerzeugung mit Wind- und Wasserkraft noch enorme Potenziale. Die Möglichkeiten zur geothermischen Energieerzeugung sind sogar erst zu 2 % genutzt. Auch auf anderen Gebieten hat der afrikanische Kontinent beträchtliche Wachstumsmöglichkeiten, wenn die Chancen einer „Green Economy“ genutzt werden.

Dies geht aus dem Bericht „Building Inclusive Green Economies in Africa“ (Der Aufbau Grüner Ökonomien in Afrika) hervor, den das UN-Umweltprogramm UNEP gerade veröffentlicht hat. Der Bericht fasst die Ergebnisse von Studien zusammen, in denen die bisherigen Erfahrungen beim Übergang zu einer Grünen Wirtschaft in verschiedenen afrikanischen Ländern analysiert werden.

„Viele afrikanische Länder haben begonnen, dieses Potenzial zu nutzen“, betonte UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner bei der Präsentation der Ergebnisse des Berichtes. „Grüne Investitionen in die Entwicklung der erneuerbaren Energien in Burkina Faso werden voraussichtlich eine um 180 % höhere Energieerzeugung hervorbringen als ‚business as usual‘- Investitionen.“ Erforderlich für eine erfolgreiche Steigerung solcher Investitionen seien aber u. a. die richtigen politischen Rahmenbedingungen und Investitionsanreize.

Erneuerbare Energie als Motor einer grünen Wirtschaft

Im UNEP-Bericht wird die Schlüsselstellung der nachhaltigen Energieerzeugung für den erfolgreichen Übergang zu einer Grünen Wirtschaft deutlich. Das westafrikanische Burkina Faso will bis 2050 so stark in die erneuerbare Energieerzeugung investieren, dass eine Fläche von bis zu 100.000 Hektar Wald vor der Zerstörung als Folge einer Nutzung von Holz und Holzkohle als Energiequelle bewahrt werden kann. Das Land hat einen „Nationalen Investitionsplan für Umwelt und Nachhaltige Entwicklung“ verabschiedet, um klima- und umweltfreundliche Vorhaben zu fördern.

Beachtliche Chancen werden auch für einheimische Unternehmen gesehen, wenn gezielt auf erneuerbare Energiequellen gesetzt wird. In Tunesien hat das staatliche Programm zur Förderung der Solarenergie die Gründung von 42 neuen Anbietern dieser Technologie und 1.000 neuen Installationsbetrieben ausgelöst.

Nicht unterschätzt werden sollte das Potenzial zur Erhöhung der Energieeffizienz. In Ägypten könnte auf diese Weise der Energieverbrauch um 30 % gesenkt werden. Die Einsparung beliefe sich auf jährlich 33 Milliarden Kilowattstunden, was auch direkte Auswirkungen auf die Klimabilanz des Landes haben würde.

Die drastische Steigerung der Erzeugung erneuerbarer Energie lässt die Hoffnung wachsen, dass nicht weiterhin 76 % aller Haushalte in Afrika auf einen Stromanschluss verzichten müssen. Erneuerbare Energie wird nicht nur klimafreundlich und umweltfreundlich produziert, sondern es gibt auch spezielle Förderprogramme für solche Investitionsvorhaben, vor allem den „Green Climate Fund“.

Wichtig sind für eine Übergangszeit dezentrale Formen der Erzeugung erneuerbarer Energie in ländlichen Gebieten, die bisher nicht an das nationale Stromnetz angeschlossen werden können. In Kenia hat man gute Erfahrungen mit einfachen Solar-LED-Leuchten gemacht. Eine dieser Lampen erspart einer Familie jede Woche Kosten von umgerechnet einem Dollar für den Kauf des Kerosins für eine Öllampe. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass Schulkinder auch nach Einbruch der Dunkelheit lesen und lernen können und so bessere Bildungschancen haben, ohne dass dies die Familie zusätzlich etwas kostet.

Natur und Menschen profitieren gleichermaßen

Im Vergleich zur exzessiven Ressourcennutzung bei den bisherigen Wirtschaftskonzepten ermöglicht der Übergang zu einer Grünen Wirtschaft einen schonenden Umgang mit der Natur. Im UNEP-Bericht wird als ein Beispiel genannt, dass Südafrika bis zum Jahr 2030 bis zu 250 Milliarden Kubikmeter Wasser sparen könnte, wenn sorgsam mit den knappen natürlichen Ressourcen des Landes umgegangen wird.

In Ägypten, das unter Wasserstress leidet, könnte der Verbrauch um 10 bis 20 % vermindert werden, wenn Wasserspararmaturen in allen Haushalten eingeführt würden. In der ägyptischen Bewässerungslandwirtschaft besteht sogar ein Einsparungspotenzial von bis zu 40 %, wenn Leckagen im Leitungsnetz beseitigt und wassersparende Bewässerungsformen eingeführt würden.

Das grüne Wachstumspotenzial der Landwirtschaft

Eine Frau beackert ein Reisfeld mit einer Spitzhacke
In der afrikanischen Bewässerungslandwirtschaft gibt es ein großes Potenzial zur Verminderung des Wassereinsatzes. In Ländern wie Mali ist dies die Voraussetzung dafür, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern, ohne zu einer Übernutzung der natürlichen Ressourcen beizutragen. Foto: UN Photo/Marco Dormino

Vier von fünf Afrikanerinnen und Afrikanern verdienen ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft. Sie tragen zu knapp einem Drittel zum afrikanischen Bruttosozialprodukt bei. Die UNEP-Analysen kommen zum Ergebnis: „Im Landwirtschaftssektor wirken sich grüne Investitionen positiv auf Ernteerträge und Einnahmen aus.“

Durch den Einsatz von Kunstdüngern und anderen chemischen Inputs steigt die landwirtschaftliche Produktion kurzfristig, ist dem UNEP-Bericht zu entnehmen. Längerfristig sinken aber die Bodenqualität und als Konsequenz auch die Erträge. Deshalb wird prognostiziert, dass im Jahre 2030 eine Ökolandwirtschaft in Afrika 15 % höhere Erträge erbringen würde als eine konventionelle Landwirtschaft.

Eine Chance für die Landwirtschaft in Afrika liegt darin, dass die weltweite Nachfrage nach Bioprodukten ständig steigt, und dass für diese Ware weit höhere Preise erzielt werden als für konventionelle Güter. Uganda konnte seine Exporterlöse für landwirtschaftliche Bioerzeugnisse binnen vier Jahren versechsfachen. Und der Markt wächst weiter.

Die Folgen des Klimawandels werden in vielen Regionen Afrikas negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben, vor allem durch sinkende Niederschläge und/oder eine wachsende Zahl von Extremwetterereignissen, die zu Überflutungen oder Dürren führen. Im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft wird in dem Bericht der ökologisch ausgerichteten Landwirtschaft eine größere Widerstandsfähigkeit gegenüber solchen Folgen des Klimawandels prognostiziert.

Wirtschaftswachstum und Umweltschutz verbinden

Karte von Afrika, markiert sind 1o Ländern in ganz unterschiedlichen Regionen
In diesen Ländern unterstützt das UN-Umweltprogramm die Regierungen beim Übergang zu einer „Grünen Wirtschaft“. Illustration: UNEP (Zum Vergrößern anklicken)

Die Untersuchung des Wirtschaftspotenzials von Kenia hat ergeben, dass die Ökonomie des Landes bei einem Übergang zu einer grünen Wirtschaft bis 2030 um etwa 12 % stärker wachsen wird als bei einem herkömmlichen Entwicklungsweg. Es wird erwartet, dass als Folge eines solchen Wachstums zusätzlich 3,1 Millionen Menschen ihre bisherige Armut überwinden können. An diesem Beispiel wird deutlich, dass die Aussichten zum Erreichen der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen mit der Einführung einer Grünen Wirtschaft deutlich steigen.

Es kann daher nicht überraschen, dass eine ganze Reihe von afrikanischen Ländern sich entschlossen hat, entschiedene Schritte auf dem Weg zu einer Grünen Wirtschaft zu gehen. Darunter sind viele Länder, denen eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung vorhergesagt wird wie Ghana, Äthiopien, Mauritius und Südafrika.

Mehrere dieser Länder haben bereits ihre Steuerpolitik geändert oder planen dies, um nicht länger fossile Energie finanziell zu fördern und stattdessen Anreize zu geben, in eine erneuerbare Energieerzeugung zu investieren. Es wird geschätzt, dass in Afrika Finanzmittel in Höhe von 1,4 % des Bruttosozialprodukts frei würden, wenn auf die klima- und umweltschädliche Subventionierung fossiler Energie verzichtet wird. Die Regierungen müssen allerdings in Rechnung stellen, dass höhere Benzin- und Kerosinpreise aufgrund des Wegfalls der Subventionen gravierende Auswirkungen auf die arme Bevölkerung haben. Deshalb geht der Subventionsabbau einher mit sozialpolitischen Maßnahmen zugunsten armer Haushalte.

Vorteile für den Klimaschutz

Auch in anderen Wirtschaftszweigen sollen steuerliche Anreize für umweltschädliche Produktionsprozesse beseitigt und durch die Förderung grüner Produkte ersetzt werden. Südafrika wird 2016 eine CO2-Steuer einführen, um die Unternehmen dazu zu veranlassen, klimaschädliche Emissionen drastisch zu reduzieren.

Es ist berechnet worden, dass der Senegal und Kenia ihre CO2-Emissionen durch den Übergang zu einer Grünen Wirtschaft um jeweils 9 % im Vergleich zur herkömmlichen wirtschaftlichen Entwicklung vermindern. In Südafrika wird sogar ein Vorteil von 13 % erwartet.

Damit das ökologische und ökonomische Potenzial des Übergangs zu einer Grünen Wirtschaft in vollem Umfang genutzt werden kann, ist eine grundlegende Umstellung der staatlichen Ausgabenpolitik und der Entwicklungsplanung erforderlich. Das UN-Umweltprogramm berät eine ganze Reihe von afrikanischen Ländern intensiv bei diesen Übergangsprozessen.

Stanislas Kamanzi, der ruandische Minister für Naturressourcen, wird in dem UNEP-Bericht mit dieser optimistischen Aussage zu den bisherigen afrikanischen Erfahrungen beim Übergang zu einer Grünen Wirtschaft zitiert: „In den letzten fünf Jahren hat es eine gewaltige Bewegung in Richtung auf ein grünes Wachstum gegeben. Viele afrikanische Länder haben ‚Nationale Grüne Wachstumsstrategien‘ entwickelt, um die neu entstandenen Möglichkeiten zu nutzen. Das Gleiche ist auf regionaler und kontinentaler Ebene geschehen.“

Der Bericht „Building Inclusive Green Economies in Africa“ kann auf der UNEP-Website  heruntergeladen werden.

Einen Einblick in das Konzept und die Praxis der Grünen Wirtschaft in verschiedenen Regionen der Welt gibt die Ausgabe „Globale Grüne Wirtschaft“ der Zeitung „Eine-Welt-Presse“ der DGVN.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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