Wirtschaft

Afrika leistet Widerstand gegen den Klimawandel

Ein Farmer steht in seinem Maisfeld

Der Klimawandel verursacht in vielen afrikanischen Ländern einen Rückgang der Niederschläge, was zum Beispiel verheerende Folgen für den Maisanbau in Sambia hat. Foto: Jane Some/IRIN

„Das Engagement örtlicher Gemeinschaften, die Verwendung angepasster lokaler Materialien und die einfache Gestaltung der Umsetzungsprozesse ermöglichen es, Anpassungsmaßnahmen effizient, wirksam, bezahlbar, gerecht und ökologisch nachhaltig zu gestalten.“ 

So lautet ein Kernsatz in der neuen Studie des UN-Umweltprogramms UNEP zu Initiativen in Afrika südlich der Sahara zur Anpassung an den Klimawandel. Der Bericht trägt den Titel „Keeping Track of Adaption Actions in Africa – Targeted Fiscal Stimulus Actions Making a Difference“ (frei übersetzt: „Die Übersicht über Anpassungsmaßnahmen in Afrika gewinnen – gezielte finanzielle Anreize können grundlegende Veränderungen herbeiführen“).

Ausgangspunkt für den Bericht ist eine Analyse der Gesellschafts- und Klimaveränderungen in Afrika, die es notwendig machen, wirkungsvollen Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel eine hohe Priorität einzuräumen. Die afrikanische Bevölkerung wird sich bis 2050 auf zwei Milliarden Menschen verdoppeln, und die meisten von ihnen werden von der Landwirtschaft leben. Die afrikanische Landwirtschaft wird aber besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen sein, vor allem von Dürren, Flutwellen und dem unregelmäßigen Auftreten von Niederschlägen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass 94% der Landwirtschaft auf der Grundlage des Regenfeldbaus betrieben werden, also besonders stark von rechtzeitig eintretenden und ausreichenden Regenfällen abhängig ist.

UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner befürchtet, dass die Ernteerträge in manchen Teilen Afrikas bis 2050 um 15-20% abnehmen könnten. 
Auch auf vielen anderen Gebieten gibt es unübersehbare Anzeichen dafür, wie verheerend sich der Klimawandel in Afrika auswirken wird. Der tansanische Umweltminister Binilith Mahenge, der gegenwärtig die Konferenzen der afrikanischen Umweltminister (AMCEN) leitet, betonte am 12. August 2014 bei der Präsentation des UNEP-Berichtes in Nairobi: „Bereits entstandene Gefährdungen durch den Klimawandel, die die Erfolge von Jahrzehnten der Entwicklungsanstrengungen in Afrika zunichte machen können, zeigen die Notwendigkeit, in zukünftige Entwicklungsprogramme die Schaffung einer größeren Widerstandsfähigkeit gegen die Auswirkungen des Klimawandels einzubeziehen.“ 

Das UN-Umweltprogramm hat deshalb untersucht, welche kostengünstigen und zugleich wirksamen Initiativen zur Anpassung an den Klimawandel es bereits in Afrika gibt und wie diese die lokale Wirtschaft fördern, indem sie den natürlichen Reichtum nutzen, Arbeitsplätze schaffen und die Haushaltseinkommen erhöhen. Im UNEP-Bericht sind solche Beispiele aus verschiedenen Ländern Afrikas dargestellt und auf ihre Übertragbarkeit auf andere Länder geprüft worden. 

Ökobetriebe trotzen dem Klimawandel besser

In mehreren im Bericht dargestellten Projekten wird Ernst gemacht mit der Einsicht, dass eine ökologische, nachhaltig betriebene Landwirtschaft deutlich besser geeignet ist, die Widerstandskraft gegen die Folgen des Klimawandels zu erhöhen als die konventionelle Landwirtschaft. Bisher hat die Ökolandwirtschaft in Afrika allerdings nur einen Anteil von 1-2%, aber überzeugende Modellprojekte ändern dies allmählich. 

Ein Junge mit einer Mütze mit der Aufschrift Sambia guckt aus einem bunten, üppigen Gestrüpp heraus
Die Ausweitung der Ökolandwirtschaft erweist sich in Sambia als Erfolg versprechender Weg, um mit den Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft fertig zu werden. Foto: UNEP

In einem Distrikt in Sambia sind in den letzten Jahren 1.500 Bauern in Kursen ausgebildet worden, ihre Betriebe auf eine vielfältige, naturschonende und nachhaltige Anbauweise umzustellen, nachdem früher Mais-Monokulturen und nicht angepasste Formen des Pflügens die Bodenqualität und die Erträge abnehmen ließen. Diese Erträge sind bei den beteiligten Bauernfamilien inzwischen deutlich gestiegen. Das Programm einer „nachhaltigen organischen Landwirtschaft“ richtet sich gezielt an Kleinbauernfamilien und erhöht deren Widerstandsfähigkeit gegen die Folgen des Klimawandels zum Beispiel durch Pflanzensorten, die eine größere Resistenz gegenüber zeitweise ausbleibenden Niederschlägen besitzen.

Der Kampf gegen die Wasserknappheit

Vor allem in Westafrika und im südlichen Afrika werden als Folge des Klimawandels die Niederschläge in den nächsten Jahrzehnten deutlich abnehmen. Dabei ist die Wasserknappheit schon jetzt vielerorts groß. Eine Folge ist, dass in Afrika jedes Jahr 40 Milliarden Stunden dafür aufgewendet werden, Wasser zu schöpfen und über zum Teil lange Strecken nach Hause zu schleppen. Diese Zeit fehlt den Mädchen für den Schulbesuch und den Frauen für Arbeiten in Haushalt, Gärten und Landwirtschaft. 

Im westafrikanischen Togo hat man in den letzten Jahren systematisch viele bestehende Wasserreservoirs und ihre kleinen Dämme erneuert und damit ihre Speicherfähigkeit stark erhöht. Das hat es möglich gemacht, dass zum Beispiel im Gebiet von Damone in Nordtogo die Zahl der Menschen, die einen ganzjährigen Zugang zu Trinkwasser besitzt, um mehr als ein Drittel erhöht werden konnte.  

Die Wiederaufforstung rettet Menschenleben

Ein weiterer wichtiger Anpassungsbereich ist die Forstwirtschaft. Von 2005 bis 2010 hat der Waldbestand in keinem einzigen afrikanischen Land zugenommen, und in Ländern wie Sudan, Sambia und Tansania ist er sogar deutlich zurückgegangen. 

In Ruanda haben zudem viele Familien nach den Vertreibungen des Bürgerkrieges steile Berghänge besiedelt und hierfür den Baumbestand abgeholzt. Die Folge waren massive, gefährliche Erdrutsche bei Extremwetterereignissen. Inzwischen wurde begonnen, die Familien in sichere Gebiete umzusiedeln und die Berghänge mit Baumschösslingen zu bepflanzen. Dabei wird großes Gewicht darauf gelegt, die lokale Bevölkerung in die Umsiedlungspläne einzubeziehen und den Menschen sichere Alternativen anzubieten. 

Unverzichtbar: eine Entwicklungsplanung, die die Folgen des Klimawandels berücksichtigt

Lokale Initiativen werden nur dann nachhaltig wirken und sich duplizieren lassen, wenn sie Teil breit angelegter Anpassungskonzepte sind und in die nationale Entwicklungsplanung einbezogen werden. UNEP-Exektuivdirektor Achim Steiner betonte bei der Präsentation des Berichtes: „Durch die Integration von Strategien zur Anpassung an den Klimawandel in die nationale Entwicklungspolitik können Regierungen Übergangsprozesse einleiten zu einem grünen Wachstum und damit zum Schutz und zur Verbesserung der Lebensgrundlage von Hunderten Millionen von Afrikanerinnen und Afrikanern.“ 

Weitere Informationen zum Bericht und die Möglichkeit, ihn als pdf-Datei herunterzuladen, finden Sie auf der Website des UN-Umweltprogramms.

(Frank Kürschner-Pelkmann

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