Energiefragen & Treibhausgase

Afghanistan: Neue Öfen braucht das Land

Eine Gruppe Kinder und Frauen sitzt vor einem Ofen

Öfen, die den Rauch nach außen leiten, sind ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Luft- und Lebensqualität. Foto: Eoin Flinn / My Afghan Mountains

Bamiyan bedeutet: „Der Ort des strahlenden Lichtes“. Bamiyan (oder Bamyan) ist der Name einer Provinz im gebirgigen Zentrum Afghanistans. Dort kommt das Licht bis heute nicht aus elektrischen Lampen. Denn wie in anderen ländlichen Gebieten Afghanistans sind die allermeisten Menschen nicht an das Stromnetz angeschlossen. Nur 3 % der ländlichen Haushalte Afghanistans bekommen Elektrizität aus der Steckdose.

Eine Konsequenz ist, dass fast alle Haushalte in Bamiyan weiterhin traditionelle Öfen nutzen, um zu kochen, Wasser zu erhitzen und Wärme zu erzeugen. In den afghanischen Gebirgsregionen sinkt das Thermometer im Winter nachts auf minus 20 Grad Celsius, und entsprechend groß ist der Heizbedarf.

Die Risiken traditioneller Öfen

Die traditionellen Öfen verströmen sehr viel Rauch mit einem hohen Anteil Kohlenmonoxid. Dem sind vor allem die Frauen und kleineren Kinder ausgesetzt, die den größten Teil des Tages in den Häusern verbringen. Nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jedes Jahr mehr als 50.000 Menschen in Afghanistan an Rauchvergiftungen, darunter vor allem Kinder unter fünf Jahren. Außerdem kommt es immer wieder zu Unfällen, bei denen kleine Kinder sich an den heißen Öfen verbrennen.

Dr. Bashir Noomal, der Direktor des „Afghanischen Instituts für Öffentliche Gesundheit“, hat festgestellt, dass das Heizen und Kochen mit den bisherigen Öfen „Verbrennungen, Kohlenmonoxidvergiftungen, Atemwegserkrankungen, andere Erkrankungen und Todesfälle auslöst“. Auch die Krebsgefahr ist hoch.

Hinzu kommt, dass diese Öfen mit Buschwerk und Gras geheizt werden. Die Folge ist, dass viele Gebirgshänge ihre Vegetation verlieren, die bisher das Regenwasser aufgehalten hatte. Ein Ergebnis sind vermehrte Flutkatastrophen.

Neue Öfen lösen viele Probleme gleichzeitig

Die afghanische Nichtregierungsorganisation COAM („Conservation Organisation for Afghan Mountain Areas“) hat mit Unterstützung des UN-Umweltprogramms UNEP und der Botschaft Finnlands in Afghanistan mehrere Ofenmodelle entwickelt, die 70 % weniger Biomasse als Brennstoff als die traditionellen Öfen benötigen und 90 % weniger schädlichen Rauch ausstoßen. Dazu tragen auch lokal produzierte Biomasse-Briketts bei, die einen hohen Brennwert besitzen und wenig Rauch verursachen.

Ein „fantastisches Beispiel“ macht Schule

Die neuen Öfen mit ihrer einfachen „grünen Technologie“ stoßen in Bamiyan auf ein großes Interesse, und es ist ein wachsender Markt für sie entstanden. Zu den Erfolgen dieses Programms stellt Andrew Scanlon, der Leiter des UNEP-Länderprogramms Afghanistan, fest: „Initiativen für saubere Kochöfen in Afghanistan stellen eine sinnvolle Verknüpfung her zwischen der Verbesserung der Luftqualität in den Häusern, dem Schutz von Waldgebieten und Landschaft sowie dem Klimaschutz.“

Mehrere Männer stehen vor drei verschiedenen Öfen
Die neu entwickelten Öfen, die Wärme und heißes Wasser erzeugen und zum Kochen dienen, stoßen in der afghanischen Bevölkerung auf ein großes Interesse. Foto: UNEP

Er fügt hinzu: „Diese einfachen, robusten und wirkungsvollen Öfen, die sehr rasch von den lokalen Metallhandwerkern und Gemeinschaften übernommen wurden, sind ein fantastisches Beispiel für die Fähigkeit von Privatsektor, gut ausgebildeten Handwerkern und genuinen ökologischen Lösungen, die Welt zu verändern.“

Die „UN Foundation“ hat eine „Global Alliance for Clean Cookstoves“ („Weltweite Allianz für saubere Kochöfen“) ins Leben gerufen, um das Problem der ökologisch und gesundheitlich gefährlichen Öfen in allen Teilen der Welt zu lösen. Noch nutzen fast drei Milliarden Menschen offene Feuer oder traditionelle Öfen zum Kochen und zur Wärmeerzeugung.

(Frank Kürschner-Pelkmann)

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