UNIDO – das Ziel einer klimafreundlichen Industrieproduktion

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Ohne einen Ausbau ihrer industriellen Kapazitäten werden viele Entwicklungsländer nicht den Anschluss an die Wachstumsbereiche der globalen Wirtschaft schaffen, sondern weiterhin lediglich Lieferanten von Rohstoffen bleiben. Deshalb ist die „Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung“ (United Nations Industrial Development Organization – UNIDO) bestrebt, die Industrialisierung wirtschaftlich armer Länder zu fördern. Angesichts des globalen Klimawandels und zahlreicher ökologischer Probleme propagiert UNIDO inzwischen eine „grüne Industrie“. Es soll also versucht werden, die Industrie in Entwicklungsländern stark zu erweitern, ohne dadurch Klima und Umwelt wesentlich stärker zu belasten.

UNIDO berät sowohl Industrieunternehmen als auch Regierungen dabei, eine „grüne Industrie“ aufzubauen. Hierfür werden Beratungsbüros in vielen Ländern und Regionen unterhalten, zum Teil in Verbindung mit den Länderbüros des UN-Entwicklungsprogramms UNDP. Schlüsselbegriffe der Beratung sind „Energieeffizient“ und „erneuerbare Energie“. In der Broschüre „Energy and Climate Change“ (pdf-Datei, 3 MB)  hat UNIDO seine Konzepte für eine grüne Schwerpunktsetzung in der Industrie dargestellt. Als ein Ziel wird formuliert: „Nachhaltige industrielle Entwicklung erfordert Maßnahmen, die es erlauben, Wirtschaftswachstum mit einer Minimierung der Umweltschädigung zu verbinden.“

Energieeffizienz als Schlüssel zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz

Durch eine Erhöhung der Energieeffizienz kann mit gleichem Energieaufwand mehr produziert werden, was den einzelnen Unternehmen ermöglicht, Kosten zu sparen, und zugleich wird der Energiebedarf einer Volkswirtschaft vermindert. Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz nützen also nicht nur Klima und Umwelt, sondern erhöhen auch die internationale Konkurrenzfähigkeit von Unternehmen und Volkswirtschaften im Süden der Welt.

Ein erfolgreiches Beispiel ist die Fortbildung von 22 chinesischen Ingenieuren auf dem Gebiet des Baus kraftstoffsparender Automotoren. Internationale Experten trugen durch dieses Angebot dazu bei, dass chinesische Autobauer jetzt besser in der Lage sind, bisherige Produktionsprozesse kritisch zu analysieren und neue klimafreundlichere Motoren auf den Markt zu bringen. Angesichts des Autobooms in China ist dies ein wichtiger Beitrag zur Begrenzung des globalen Klimawandels.

Erneuerbare Energien als Grundlage der Industrialisierung

Immer stärker soll erneuerbare Energie genutzt werden, um den Energiebedarf der wachsenden Industrie in Entwicklungsländern zu fördern. Die UNIDO setzt auf Windkraft, Solaranlagen, kleine Wasserkraftanlagen und die Energieerzeugung aus Biomasse. So sind kleine Wasserkraftanlagen geeignet, in ländlichen Gebieten kleinindustrielle Betriebe mit elektrischer Energie zu versorgen. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit in vielen Dörfern und der drohenden Abwanderung der jungen Menschen in die Städte können kleine Industriebetriebe ein wichtiges Instrument der regionalen Wirtschaftsförderung bilden.

Der gesamte Industriesektor vieler Entwicklungsländer leidet darunter, dass die Energieversorgung nicht nur teuer, sondern auch unzuverlässig ist. So führen häufige Unterbrechungen der Stromversorgung immer wieder zu Produktionsunterbrechungen. Der dringend erforderliche Ausbau der Energieversorgung bietet die Chance, mit nachhaltigen Konzepten zu Umwelt- und Klimaschutz beizutragen. Diese Zielsetzung gehört zu den Schwerpunkten der UNIDO-Beratungstätigkeit für Regierungen und Energieunternehmen.

UNIDO berät nicht nur, sondern fördert auch die praktische Umsetzung von nachhaltigen Energiekonzepten. So werden zum Beispiel die kleinen karibischen Inselstaaten St. Lucia und Grenada dabei unterstützt, ihre Energieprobleme mithilfe von Solarenergie zu lösen. Auf Kuba und den Malediven sollen verstärkt Windkraftanlagen errichtet werden.

In den letzten Jahren hat UNIDO in Zusammenarbeit mit anderen UN-Programmen und -Organisationen untersucht, wie sich die Erzeugung von Biokraftstoffen ökologisch und sozio-ökonomisch in Entwicklungsländern auswirkt. Ein Ergebnis ist die Studie „Impacts of Biofuel Production“ mit Fallstudien aus Mosambik, Argentinien und der Ukraine.

Ein vielfältiges Fortbildungs- und Beratungsangebot

Ein Schwerpunkt der UNIDO-Arbeit ist die Aus- und Fortbildung auf den Gebieten Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Durch die „Zentren für Energietechnologie“ in verschiedenen Entwicklungsländern wird dieser Ansatz in der Praxis umgesetzt. Überregionale Bedeutung hat das „Internationale Zentrum für die Förderung und den Transfer von Solarenergie“ in Lanzhou/China, das gemeinsam von UNIDO und der chinesischen Regierung betrieben wird. Zu den Aufgaben zählen die Entwicklung von Solartechnologien für Entwicklungsländer sowie die Förderung des Süd-Süd-Austausches. In dem Zentrum finden u.a. Fachtagungen und Fortbildungsprogramme auf dem Gebiet der Solarenergie statt.

Zu den UNIDO-Aufgaben gehört es auch, Entwicklungsländer dabei zu beraten, stärkeren Nutzen aus dem „Clean Development Mechanismus“ (CDM) zu ziehen, die im Kyoto-Protokoll vereinbart wurden und es u.a. ermöglichen, Klimaschutzziele dadurch zu erfüllen, dass klimaschonende Vorhaben in anderen Ländern finanziert werden.

Zu erwähnen ist schließlich, dass UNIDO eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Initiative der Vereinten Nationen „Nachhaltige Energie für alle“ übernommen hat, die am 20. September 2011 von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon initiiert wurde. Es soll erreicht werden, dass alle Menschen auf der Welt bis 2030 Zugang zu Energie erhalten.

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