MICCA – ein UN-Programm zur Verminderung der klimaschädlichen Auswirkungen der Landwirtschaft

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Die Landwirtschaft trägt zu 14 % zum globalen Klimawandel bei, ein Anteil, der fast so hoch ist wie der des Transportsektors. Hinzu kommen die Auswirkungen der Veränderungen der Landnutzung auf das Klima, vor allem die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen in bisherigen tropischen Regenwaldgebieten. Diese Veränderungen tragen mit weiteren 17 % zum Klimawandel bei. Deshalb bemüht sich die Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO (Food and Agricultural Organization of the United Nations) um eine Verminderung der klimaschädlichen Auswirkungen der Landwirtschaft. Es soll erreicht werden, diesen Klimaschutz mit einer Erhöhung der Produktion zu verbinden. Diese Produktionserhöhung ist angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung dringend geboten.

Um diese Ziele zu erreichen, hat die FAO im Jahre 2010 das „MICCA-Programm“ ins Leben gerufen. MICCA steht für „Mitigation of Climate Change in Agriculture“, also sinngemäß Minderung des Beitrags der Landwirtschaft zum Klimawandel. Das MICCA-Programm wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium sowie von staatlichen Stellen in Finnland und Norwegen gefördert.

Mehr Daten und neue Konzepte erforderlich

Ein erster wichtiger Schritt für die Verwirklichung des Programms besteht darin, eine verlässliche Datenbasis über die tatsächlichen Auswirkungen der Landwirtschaft auf das Klima auf nationaler und globaler Ebene zu erhalten. Die MICCA-Fachleute bemühen sich, die Klimabilanz einzelner Tierarten und Nutzpflanzen über ihren ganzen Lebenszeitraum zu erfassen. Bisher liegen solche Berechnungen u. a. für Rinder, Schweine und Geflügel vor. Der nächste Schritt ist es dann, die einzelnen Staaten dabei zu unterstützen, detaillierte nationale Berechnungen der klimaschädlichen Emissionen der verschiedenen Bereiche der Landwirtschaft zu erstellen.

Im Rahmen des MICCA-Programms wird auch analysiert, welche Optionen es zur Verminderung der klimaschädlichen Emissionen gibt, welche Voraussetzungen für die Umsetzung solcher Konzepte erfüllt sein müssen und welche Kosten damit verbunden sind. Dabei geht es zum Beispiel um veränderte Formen des Pflügens, klimafreundliches Düngen und die Anpflanzung von Bäumen als Teil von Ackerbaukonzepten. MICCA soll helfen, das globale und das lokale Potenzial solcher Konzepte zu bewerten und deren Effekte für den Klimaschutz einzuschätzen.

Bäuerinnen fördern unter den Bedingungen des Klimawandels

43 % aller in der Landwirtschaft Beschäftigten sind Frauen. In vielen Entwicklungsländern sind aber nur 10-20 % aller Landbesitzer Frauen, und auch auf Gebieten wie dem Zugang zu Landwirtschaftsberatung sind sie stark benachteiligt. Bisher ist wenig erforscht, wie sich der Klimawandel auf Frauen auswirkt, die in der Landwirtschaft tätig sind. Im Rahmen von MICCA soll dies geändert werden, um auf dieser Grundlage gezielt Frauen dabei zu unterstützen, durch eine klima-smarte Landwirtschaft mit den Folgen des Klimawandels fertig zu werden.

Im Rahmen des MICCA-Programms werden Methoden entwickelt und verbreitet, die sicherstellen sollen, dass in der landwirtschaftlichen Forschung sehr viel stärker berücksichtigt wird, wie Männer und Frauen auf unterschiedliche Weise versuchen, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen und unter den veränderten Bedingungen eine Ernährungssicherheit zu erreichen. In einem Trainingshandbuch werden diese Forschungsmethoden vermittelt. Verknüpft damit sind Initiativen, um Forschungserkenntnisse zu verbreiten und eine gender-sensitive Landwirtschaftspolitik und -förderung zu erreichen. Ein Beispiel dafür ist eine Infografik mit Fakten zur Benachteiligung von Frauen in der Landwirtschaft.

Politiker und Kleinbauernfamilien überzeugen

Damit es nicht bei Konzepten bleibt, müssen sowohl die Politiker, die für die Landwirtschaftspolitik verantwortlich sind, als auch die Bauernfamilien überzeugt werden, sich an solchen Initiativen zu beteiligen. Es wird im Rahmen von MICCA untersucht, wie Entscheidungsprozesse auf nationaler und internationaler politischer Ebene ablaufen und wie sie beeinflusst werden können. Dies reicht von Analysen, wie die staatliche Subventionspolitik in Zukunft klimafreundliche Formen der Landwirtschaft fördern kann bis zur Mitwirkung an den Verhandlungen bei den UN-Klimakonferenzen.

Bei der Entscheidungsfindung auf der Ebene der einzelnen Bauernfamilien ist u. a. zu berücksichtigen, wie Beschlüsse über Veränderungen von Anbauprodukten und -methoden gefällt werden, wie Risiken von Umstellungen von den Menschen vor Ort bewertet und wie sie vermindert werden können und wie Landwirtschaftsberater erfolgreich tätig werden können.

Im Rahmen des MICCA-Programms wird in Kooperation mit der kenianischen Regierung und mit landwirtschaftlichen Forschungseinrichtungen der Versuch unternommen, Konzepte für einen Übergang zu einer klima-smarten Landwirtschaft zu entwickeln, bei denen Forschung, Praxis und Politik miteinander verknüpft werden. Ergebnisse dieser Beratungen wurden 2014 in einem Arbeitspapier zusammengefasst. Darin wird deutlich, dass ein solcher Ansatz nicht nur dem Klima nützt, sondern auch einer umfassenden Entwicklung: „Eine klima-smarte Landwirtschaft muss zur Schaffung von Beschäftigungs-, Bildungs- und Marktmöglichkeiten beitragen. Sie ist gerade deshalb smart, weil sie eine ganze Bandbreite zentraler Entwicklungsthemen aufgreift.“

Erfolgreiche Beispiele sollen überzeugen

Um überzeugen zu können, sind im Rahmen von MICCA viele Beispiele dafür gesammelt worden, wie in verschiedenen Teilen der Welt versucht wird, eine klimafreundliche Landwirtschaft zu betreiben. In einem ersten Bericht wurden 50 beispielhafte Programme ausgewertet. Der Bericht ist online zu lesen (MICCA Series 1, pdf-Datei, 1,8 MB). In einem weiteren Bericht wurden systematische Erkenntnisse aus der Erfassung von Daten über solche Initiativen abgeleitet. Auch diese Broschüre ist online (MICCA Series 2, pdf-Datei, 296 kb) verfügbar.

Vier Vorhaben wurden ausgewählt, um exemplarisch zu zeigen, wie landwirtschaftliche Kleinbetriebe sowohl das Klima schonen als auch die Produktion erhöhen können. In Kenia wird versucht, den klimaschädlichen „Fußabdruck“ von kleinen Viehzuchtbetrieben zu vermindern, im benachbarten Tansania wird mit Bauernfamilien erprobt, wie sich ein Verzicht auf das Pflügen, Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenqualität und das gezielte Pflanzen von landwirtschaftlich nutzbaren Bäumen auf Klima und Produktionsergebnisse auswirken. In Ecuador werden Alternativen zur Zerstörung von Waldgebieten zur Gewinnung neuer Landwirtschaftsflächen verwirklicht, und in Vietnam sind Bauernfamilien dafür gewonnen worden, durch verschiedene Aktivitäten wie die Erzeugung von Biogas und die Verwendung von Naturdünger die Klimabilanz zu verbessern. Das MICCA-Programm ist also ein Versuch, lokale Initiativen mit einer globalen Landwirtschaftspolitik zum Schutz des Klimas zu verknüpfen.