Klimabeobachtungssystem GCOS

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Die Auswertung von globalen Klimadaten und die Erarbeitung von Klimamodellen für die Zukunft sind äußerst komplexe Prozesse, für die sehr leistungsfähige Computer eingesetzt werden. Aber diese Analysen können nur so zuverlässig sein wie die Ausgangsdaten für die Berechnungen. International hat man sich auf 50 Werte geeinigt, die in der Luft, auf dem Boden und im Meer weltweit regelmäßig gemessen und von den Klimaforschungszentren ausgewertet werden sollen. Dafür ist neben Satelliten ein Netzwerk von Klimabeobachtungsstationen rund um den Globus erforderlich. Bei der zweiten Weltklimakonferenz im Jahre 1990 wurde deutlich, wie groß die Lücken in diesem Netzwerk waren, weil in manchen Regionen solche Stationen fehlten und zahlreiche bestehende Stationen in wirtschaftlich armen Ländern keine oder nur wenige Daten messen und weitergeben konnten. Ein wesentlicher Schwachpunkt sind Klimamessungen in der Luft, denn eine einzige Radiosonde kann bis zu 200 US-Dollar kosten. Zusätzlich werden funktionsfähige Geräte zur Befüllung der Ballons mit Wasserstoff benötigt. Viele Stationen in Entwicklungsländern verfügten Anfang der 1990er Jahre nur über eine betagte und kaum mehr funktionsfähige technische Ausstattung.

Aufbau eines weltweiten Netzwerkes

Deshalb wurde bei der zweiten Weltklimakonferenz das „Global Climate Observing System“ (GCOS) ins Leben gerufen. Dieses „Globale Klimabeobachtungssystem“ ist seit 1992 bei der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf angesiedelt.

Illustration: Erde vom Weltall mit Satelliten, Schiffen, Flugzeugen und vielen anderen Messgeräten werden Wetterdaten aufgezeichnet
Nur bei einer systematischen Erfassung von Klimadaten in allen Regionen der Welt ist es möglich, die notwendigen Daten zu erhalten, um Klimaänderungen zu prognostizieren. Illustration: GCOS

Beteiligt sind neben der WMO auch die Zwischenstaatliche Ozeanografische Kommission (IOC) der UNESCO, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP)  sowie der Internationalen Wissenschaftsrat (ICSU). Die Aufgabe von GCOS besteht nicht darin, Klimadaten zu erfassen, sondern es soll das weltweite Netzwerk zur Klimabeobachtung ausgebaut und effizient gestaltet werden. Auf dieser Grundlage können dann weltweit Forschungsarbeiten zu den Klimaänderungen und zu deren Folgen durchgeführt werden, die dann in die Klimamodelle einfließen.

Zu den wichtigsten GCOS-Aufgaben gehört es, den Aufbau und die Erneuerung von Klimabeobachtungsstationen in Entwicklungsländern zu unterstützen (die häufig mit Wetterstationen verbunden sind, aber spezifische Messaufgaben z. B. in höheren Luftschichten haben). GCOS bemüht sich um die technische Beratung dieser Stationen, um Aus- und Fortbildungsangebote sowie die Vermittlung von Finanzmitteln durch fördernde Stellen in Industrieländern. Besonders groß ist der Bedarf beim Ausbau der Klimabeobachtung in der Luft mithilfe von Ballonen und Radiosonden. Die jährlichen Betriebskosten eines solchen Systems von etwa 80.000 US-Dollar je Station plus die Investitionskosten können von den Klimabeobachtungseinrichtungen häufig nicht aufgebracht werden.

Die technische Beratung durch das GCOS-Sekretariat sowie die Vermittlung von Finanzmitteln haben es in den letzten zwei Jahrzehnten aber ermöglicht, dass viele Stationen im Süden der Welt jetzt regelmäßig Klimadaten messen und liefern.

Das wichtigste Instrument zur internationalen Koordinierung und Vermittlung von Finanzmitteln trägt den Namen „GCOS Cooperation Mechanism“ (GCM). In einer Projektliste werden Vorhaben entsprechend ihrer Priorität aufgeführt und mit staatlichen Geldern aus Industrieländern finanziert. Bisher besteht allerdings noch ein hoher ungedeckter Finanzbedarf, um ein funktionsfähiges weltweites Netz von Klimabeobachtungsstationen aufzubauen und zu erhalten.

Praktischer Nutzen für Entwicklungsländer

Die Erfassung der Klimadaten und deren Auswertung ist national eine wichtige Grundlage für die Erarbeitung von Anpassungsmaßnahmen an den nicht mehr zu vermeidenden Klimawandel. So können Prognosen über die zu erwartende Veränderungen der Niederschlagsmengen wichtige Anhaltspunkte für die Landwirtschaftsberatung liefern. Das Wissen über steigende Durchschnittstemperaturen kann bei der Planung von Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria helfen. Für eine ausreichend breite Datenbasis für solche Prognosen ist eine regionale Zusammenarbeit, z. B. in Ostafrika, erforderlich. Die GCOS-Arbeit ist also national, regional und global von Bedeutung für die Klimaforschung, für Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels und zur Anpassung an nicht mehr zu verhindernde Veränderungen.

Einen Überblick über die Arbeit gibt (auf Englisch) die GCOS-Broschüre.