UNWTO: Tourismus zwischen Klimaschädigung und Klimaschutz

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5% der klimaschädlichen Emissionen auf der Welt gehen auf den Tourismussektor zurück. Etwa 75% davon entfallen auf die Emissionen durch den Transport von Touristen (vor allem Flüge), etwa 20% auf Hotels. Die „Welttourismusorganisation“ (UNWTO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, bemüht sich, die klimaschädlichen Auswirkungen des Tourismus zu vermindern.

Das ist schon deshalb geboten, weil der Tourismus nicht nur zum globalen Klimawandel beiträgt, sondern auch von seinen negativen Auswirkungen betroffen ist. So bedroht der Anstieg des Meeresspiegels die Zukunft von Urlaubsanlagen auf den Malediven, und Wintersportorte in den Alpen haben damit zu kämpfen, dass der Schneefall abnimmt und Schnee- und Gletscherflächen schmelzen. In manchen Entwicklungsländern werden die Ausbreitung der Wüsten und die Verschärfung der Wasserknappheit zu gravierenden Hindernissen für die Tourismusbranche.

Beispielhaftes Vorhaben auf Bali

Die UNWTO bemüht sich durch das Programm „Sustainable Development of Tourism“ (Nachhaltige Entwicklung des Tourismus) die Auswirkungen des Tourismus auf das Klima zu vermindern und Anpassungsmaßnahmen der Tourismusbranche an den nicht mehr zu vermeidenden Klimawandel zu fördern. Zu den konkreten Maßnahmen, die Tourismusunternehmen ergreifen können, gehören die Erhöhung der Energieeffizienz und die Förderung von Solarenergie und anderer Formen erneuerbarer Energie.

Die UNWTO hat im Juni 2011 gemeinsam mit der indonesischen Regierung im Touristenort Pangandaran auf Bali ein Demonstrationsprojekt für eine systematische Erhöhung der Energieeffizienz gestartet. Dazu gehört Bewusstseinsbildung zu Energiefragen ebenso wie die Umsetzung von Energiesparmaßnahmen und die Nutzung von erneuerbarer Energie in Hotels und staatlichen Gebäuden. Ebenso wird versucht, die Mangroven und Korallenriffe zu erhalten und deren Wachstum zu fördern. Sie sind sowohl für den Tourismus als auch für den Schutz der Küsten vor den zunehmenden heftigen Taifunen und Stürmen wichtig. Außerdem speichern die Mangroven große Mengen Kohlendioxid.

Folgenschwerer Ferntourismus

Sehr viel konfliktreicher als Programme zu Energieeffizienz ist der Umgang mit den klimaschädlichen Auswirkungen von Touristenflügen. Hier gibt es große wirtschaftliche Interessengruppen, die auf die UNWTO-Debatte einwirken. Der Organisation gehören 155 Länder und mehr als 400 affiliierte Mitglieder an, von denen viele aus der Tourismusbranche kommen. Es handelt sich um einen großen und boomenden Wirtschaftszweig. 2010 gab es 940 Millionen internationale Touristen, und bis 2050 werden es nach UNWTO-Prognosen fast doppelt so viele sein. Von dem gegenwärtig eine Billion Dollar Umsatz der weltweiten Tourismuswirtschaft entfällt ein großer Teil auf den internationalen Tourismus. Und besonders lukrativ ist der Verkauf von Fernreisen.

Angesichts des dramatischen Klimawandels eindeutig negative Aussagen und Empfehlungen der Welttourismusorganisation zu Fernreisen mit dem Flugzeug würden deshalb auf den Widerstand von Fernreiseveranstaltern, Fluggesellschaften und der vielen Länder stoßen, die in erheblichem Umfang vom Ferntourismus leben. Entsprechend zurückhaltend sind die offiziellen Erklärungen und die Aussagen auf der Website der UNWTO. Es wird u.a. empfohlen, über alternative Transportmittel nachzudenken, den Umfang der Emissionen je Flugreisendem zu messen und Ausgleichszahlungen für die Klimaschäden durch einen Flug zu leisten. Die UNWTO hat 2010 eine Erklärung zur Frage der klimaschädlichen Emissionen des Luftverkehrs abgegeben.

Touristen müssen Verantwortung übernehmen

Die Maßnahmen, die in den kommenden Jahren möglich erscheinen, um die Klimabilanz des Flugverkehrs zu verbessern (z.B. eine Senkung des Verbrauchs von Flugzeugmotoren) werden wahrscheinlich nicht ausreichen, um den vorhersehbaren Zuwachs an Flugreisenden auszugleichen oder sogar die Emissionen gegenüber dem gegenwärtigen Ausmaß zu vermindern. Es bleibt also abzuwarten, ob die Tourismuswirtschaft das umsetzen kann, was UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai bei der letzten Generalversammlung der Organisation im Oktober 2011 in Korea so postulierte. „Die nächsten 20 Jahre werden durch ein fortgesetztes Wachstum der Branche gekennzeichnet sein – ein moderates, verantwortungsbewusstes und inklusives Wachstum. Dieses Wachstum bietet sehr große Möglichkeiten, weil dies auch Jahre der Wegweisung sein können, mit einem Tourismus, der zu Wirtschaftswachstum, sozialem Fortschritt und Umweltnachhaltigkeit führt.“

Dass die Urlauber selbst eine Verantwortung haben, die durch den Tourismus entstehenden Schaden für das Klima zu begrenzen, haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer internationalen Konferenz im Oktober 2007 in Davos hervorgehoben. In der Erklärung dieser Konferenz, die von der UNWTO und verschiedenen anderen internationalen Organisationen veranstaltet wurde, heißt es: „Bei der Auswahl ihrer Reisen und Reiseziele sollten Touristen ermutigt werden, die klimatischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen ihrer Optionen abzuwägen, bevor sie eine Entscheidung treffen. Sie sollten möglichst ihren CO2-Fußabdruck vermindern und die Emissionen, die nicht auf direkte Weise reduziert werden können, ausgleichen.“

Weitere Informationen zur Thematik Tourismus und Klimawandel finden Sie u.a. im UNWTO-Bericht „From Davos to Copenhagen and Beyond“ (pdf-Datei, 2,9 MB) sowie im „Green Economy Report“ (pdf-Datei,1 MB).

Deutschsprachige Informationen zu Tourismusthemen und auch zu Klima und Tourismus bietet die Website von „Tourism Watch“ .