UNHCR: Durch den Klimawandel vertriebene Menschen brauchen vielfältige Unterstützung

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Pessimistische Prognosen besagen, dass bis zum Jahr 2050 etwa 150 Millionen Menschen ihre Heimatgebiete aufgrund von Problemen verlassen müssen, die mit den Folgen des globalen Klimawandels zusammenhängen. Das Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UN High Commissioner for Refugees – UNHCR) beschäftigt sich seit einigen Jahren damit, wie der rechtliche Schutz und die praktische Unterstützung dieser Menschen verbessert werden können.

UNHCR wurde 1950 gegründet und half zunächst vor allem Menschen, die im Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat geflüchtet oder vertrieben worden waren. Heute ist die in Genf ansässige Organisation innerhalb des UN-Systems für die Unterstützung der mehr als 40 Millionen Menschen zuständig, die innerhalb des eigenen Landes zu Flüchtlingen geworden sind und ins Ausland fliehen mussten.

UNHCR leistet vielfältige Hilfsmaßnahmen vom Bau von Flüchtlingslagern in Krisenregionen bis zur Hilfe bei der Wiederansiedlung nach einer Rückkehr in die Heimat. Außerdem setzt sich das UN-Flüchtlingskommissariat gegenüber einzelnen Regierungen und in der internationalen Politik für die Rechte von Flüchtlingen ein.

Flüchtlinge in Dadaab am Horn von Afrika, Foto: UNHCR-Website
Flüchtlinge in Dadaab am Horn von Afrika, Foto: UNHCR-Website

Komplexe Fluchtursachen

Nach Einschätzung von UNHCR sind die Migrationsprozesse aufgrund des Klimawandels komplex und beschränken sich nicht auf das fluchtartige Verlassen der Heimatregion in Katastrophensituationen. Es gibt auch Fälle, wo eine Umsiedlung erforderlich ist, weil die Regierung das Leben in Gebieten, die von den Folgen des Klimawandels bedroht sind, für zu gefährlich hält, zum Beispiel flache, durch Fluten bedrohte Küstenzonen. In anderen Fällen trägt der Klimawandel zu einer allmählichen Zerstörung der Lebensgrundlage der örtlichen Bevölkerung bei, zum Beispiel in Steppengebieten, die allmählich „verwüsten“.

Migration ist auch im Fall von kleinen Inselstaaten erforderlich, die wegen des steigenden Meeresspiegels und immer heftigerer Stürme ständig kleiner werden und am Ende in den Fluten versinken. Nicht vernachlässigt werden dürfen jene Flüchtlingsströme, die dadurch ausgelöst werden, dass der Klimawandel bestehende soziale Konflikte so verschärft hat, dass sie zu gewaltsamen Auseinandersetzungen wurden. Dazu gehören zum Beispiel Kämpfe von Hirten und Bauern in afrikanischen Dürregebieten um die wenigen verbliebenen Wasserquellen und um das noch nutzbare Land.

UNHCR hat eine Fotostrecke mit ausführlichen Erläuterungen zum Thema „Climate change and displacement“ zusammengestellt (siehe oben rechts auf der Seite).

Verbesserter Rechtsschutz dringend erforderlich

Das internationale Recht wurde nicht im Blick auf solche Flucht- und Migrationsprozesse geschaffen. So sieht zum Beispiel die UN-Flüchtlingskonvention von 1951 vor, dass jemand als Flüchtling anerkannt wird, wenn er wegen seiner Rasse, Nationalität, politischen Überzeugung, Religion oder Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe verfolgt wird. Auf die meisten Menschen, die aufgrund des Klimawandels ihre Heimat verlassen, trifft dies nicht zu.UNHCR hat große Vorbehalte, sie als „Umweltflüchtlinge“ oder „Klimaflüchtlinge“ zu bezeichnen, weil man fürchtet, dass dies das bestehende Flüchtlingsrecht aushöhlt. UNHCR plädiert dafür, neue verbindliche Rechtsnormen zum Schutz für die Betroffenen zu schaffen. Diese Möglichkeiten werden im Rahmen von Fachkonferenzen und in Zusammenarbeit mit anderen UN-Einrichtungen intensiv beraten.

Praktische Hilfe und politische Fürsprache

UNHCR ignoriert nicht die Not der Menschen, die in Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels in Not geraten, sondern nutzt seine Erfahrungen und praktischen Instrumente, um zum Beispiel bei Flutkatastrophen wie in Pakistan und Kenia der betroffenen Bevölkerung zu helfen. Außerdem setzt sich das UN-Flüchtlingskommissariat bei Regierungen dafür ein, die Rechte der als Folge des Klimawandels vertriebenen Menschen zu achten und ihnen innerhalb ihres Landes oder in anderen Ländern eine neue Lebensperspektive zu geben.

Auf der UNHCR-Website gibt es einen Bereich „Climate Change“, wo eine ganze Reihe von Texten heruntergeladen werden können, u.a. die Texte „Climate change, natural disasters and human displacement: a UNHCR perspective“ und „Forced Displacement in the Context of Climate Change“ sowie die Broschüre „UNHCR, the Environment and Climate Change“.

Es gibt außerdem eine deutschsprachige UNHCR-Website.

Zum Zusammenhang von Umwelt- und Klimaproblemen und zunehmender Migration finden Sie weitere Informationen auf der Seite „Migration“ des DGVN-Portals „Menschliche Entwicklung stärken“. Auf dieser Seite finden Sie auch ein interaktives Medienprojekt zum Thema Migration.