UN-Habitat: Städte fit machen für die Folgen des Klimawandels und für Anpassungsmaßnahmen

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Bis zu 70% aller klimaschädlichen Emissionen entstehen in Städten. Präziser lässt sich dies nach Einschätzung der Fachleute von UN-HABITAT nicht sagen, die den 2011 erschienenen Bericht „Cities and Climate Change“ erarbeitet haben.

Da die Hälfte der Menschheit in Städten lebt, lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass jeder Städter deutlich mehr zum globalen Klimawandel beiträgt als ein Bewohner ländlicher Gebiete. Deshalb strebt das „United Nations Human Settlements Programme“ die Verminderung des Klima-Fußabdruckes der Städte an. Ebenso gilt es, die Städte dabei zu unterstützen, mit den nicht mehr abwendbaren Folgen des globalen Klimawandels fertig zu werden.

Das „Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen“ ist seit 2001 ein eigenständiges UN-Programm. Es hat das Ziel, sozial und ökologisch nachhaltige Städte zu fördern, in denen alle eine angemessene Unterkunft finden. Es werden „Städte ohne Slums“ angestrebt. In den letzten Jahren ist der Umgang mit dem globalen Klimawandel und seinen Folgen zu einem deutlichen Arbeitsschwerpunkt von UN-HABITAT geworden.

Städte in Entwicklungsländern durch den Klimawandel bedroht

Der erwähnte Bericht zum Thema „Cities and Climate Change“ macht deutlich, wie gefährdet viele Städte – besonders in Entwicklungsländern – durch den globalen Klimawandel sind. Drei Viertel der Großstädte der Welt liegen an Küsten, zahlreiche weitere Städte an Flüssen, die immer häufiger über ihre Ufer treten. In den Küstengebieten gehören steigende Meeresspiegel und tropische Stürme zu den größten Gefahren für Hafenstädte in Entwicklungsländern, die nur sehr selten durch hohe Deiche und Flutschutzanlagen geschützt sind.

Extreme Wetterereignisse bedrohen immer häufiger Bewohner und Infrastruktur der Städte. Foto: UN-HABITAT, Jason Gutierrez
Extreme Wetterereignisse bedrohen immer häufiger Bewohner und Infrastruktur der Städte. Foto: UN-HABITAT, Jason Gutierrez

Besonders arme Slumbewohner leben in flutgefährdeten flachen Ufergebieten oder an erdrutschgefährdeten Abhängen. Extreme Wetterereignisse wie Dürren oder heftige Niederschläge bedrohen immer häufiger Bewohner und Infrastruktur der Städte. Die Auswirkungen sind um so gravierender, je desolater die Wasserversorgungs- und Abwassersysteme der Städte sind. Beträchtlich sind auch die Auswirkungen von Katastrophen auf die ökonomischen Strukturen und die Wirtschaftstätigkeit der betroffenen Städte.

Komplexe Aufgaben – und fehlende Mittel und Expertise

UN-HABITAT hat die Auswirkungen des Klimawandels auf urbane Räume systematisch studiert und Konzepte entwickelt, wie die Städte widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels werden können. Bisher haben sich viele kleine und mittelgroße Städte in Entwicklungsländern noch nicht auf die bevorstehenden Gefahren vorbereitet, was nach Einschätzung der UN-Fachleute nicht nur an fehlenden Mitteln zum Ausbau von Infrastruktur und sozialen Versorgungsstrukturen liegt, sondern daneben an fehlender Expertise in den Stadtverwaltungen.

Auch die Verminderung des Beitrags der Städte zum globalen Klimawandel erfordert ein Bündel von Einzelmaßnahmen. Empfohlen wird von UN-HABITAT u.a. eine Verbesserung der Klimabilanz von Gebäuden, Industrieunternehmen, Energieunternehmen und Verkehrssystemen. Dabei wird angestrebt, Klimaschutz und Entwicklungsförderung miteinander zu verknüpfen.

UN-HABITAT befürchtet, dass sich die klimaschädlichen Emissionen, die von Häusern ausgehen, in den nächsten 20 Jahren mehr als verdoppeln werden. Um dem entgegenzuwirken, wird ein umwelt- und klimafreundliches Bauen propagiert. Ein Ergebnis von Studienarbeit und praktischen Modellprojekten ist das 2015 erschienene Buch „Green Building – Interventions for Social Housing“, das in Zusammenarbeit mit dem UN-Umweltprogramm entstand. Es zeigt, wie ein klimafreundlicher sozialer Wohnungsbau gestaltet werden kann, der zugleich die lokale Wirtschaft fördert und die Lebensbedingungen der Bewohner verbessert. Das Buch lässt sich als pdf-Datei herunterladen.

Vernetzung unverzichtbar – international und in den einzelnen Städten

UN-HABITAT beschränkt sich nicht darauf, Probleme zu analysieren und Berichte zu verfassen, sondern ein Hauptakzent des Klimaengagements liegt darauf, eine Vernetzung und einen Erfahrungsaustausch von Städten in Entwicklungsländern zu fördern, die in besonderem Maße vom Klimawandel betroffen sind und beispielhafte Initiativen gestartet haben oder planen.

Im Zuge der Slumsanierung am Bang Bua Kanal in Bangkok in Thailand wurden lebenswichtige Hochwasserschutzmaßnahmen errichtet.
Im Zuge der Slumsanierung am Bang Bua Kanal in Bangkok in Thailand wurden lebenswichtige Hochwasserschutzmaßnahmen errichtet. Foto: UN-HABITAT, Ruth McLeod

Eine wichtige Rolle spielt dabei die 2009 gegründete „Cities and Climate Change Initiative“. Zunächst arbeiteten vier exemplarisch ausgewählte afrikanische, asiatische und lateinamerikanische Städte in diesem Netzwerk zusammen, inzwischen wurde es um weitere Städte erweitert und auch die karibische und pazifische Region einbezogen.

UN-HABITAT will nicht nur die internationale Vernetzung fördern, sondern auch die Verantwortlichen der einzelnen Städte ermutigen und dabei begleiten, vor Ort eine Vernetzung aller für Klimafragen relevanten Einrichtungen und Organisationen einschließlich der Zivilgesellschaft zu erreichen. Ein Klima der Partizipation und Kooperation ist eine wichtige Grundlage für Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels und für den Umgang mit Katastrophen.