„Grüne Jobs“ für das Klima

ILO Broschüre
Das „Green Jobs“-Programm der ILO soll ökologische und soziale Ziele miteinander verbinden.

„Es wird dringend Zeit, zu einer beschäftigungsreichen und kohlendioxidarmen Wirtschaft überzugehen. Grüne Jobs versprechen eine dreifache Dividende: nachhaltige Unternehmen, Armutsreduzierung und eine Erholung der Wirtschaft, die mit der Schaffung von Arbeitsplätzen verbunden ist.“ So begründete 2012 Juan Somavia, der damalige Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, die Notwendigkeit, einer neuen Umwelt- und Sozialpolitik, in deren Mittelpunkt die Schaffung von grünen Jobs steht.

Die ILO sieht die Welt im 21. Jahrhundert vor zwei großen Herausforderungen. Der gefährliche Klimawandel und die Bedrohung für die natürlichen Ressourcen der Welt setzen die Qualität des Lebens der jetzigen und zukünftigen Generationen aufs Spiel. Gleichzeitig müssen dringend angemessene Arbeits- und Lohnverhältnisse für alle Menschen geschaffen werden. Vier von zehn Beschäftigten auf der Welt und ihre Familien benötigen Löhne, mit denen sie in Zukunft ohne Armut und Elend leben können. Außerdem gilt es, in den kommenden zehn Jahren Arbeitsmöglichkeiten für 500 Millionen junge Leute zu schaffen. Die ILO ist überzeugt, dass diese beiden Herausforderungen aufs Engste miteinander verbunden sind und dass grüne Jobs einen Weg eröffnen, den nachhaltigen Schutz von Klima und Umwelt mit einer wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung für alle zu verbinden.

Veränderungen im Ausmaß der Industriellen Revolution

Deshalb hat die ILO das „Green Jobs“-Programm ins Leben gerufen. Es hat zum Ziel, in allen Bereichen der Wirtschaft klimafreundliche, soziale und auf die Schaffung von angemessenen Arbeitsplätzen ausgerichtete Veränderungen zu verwirklichen, die ein Ausmaß haben, das mit der Industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts zu vergleichen ist. So müssen die globalen Emissionen drastisch vermindert werden, wozu u. a. eine Erhöhung der Energieeffizienz und die Nutzung von erneuerbarer Energie in der Wirtschaft erforderlich sind. Gleichzeit gilt es, eine nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen zu erreichen, den Wasserverbrauch in der Wirtschaft zu vermindern, die Abgasbelastung zu reduzieren und eine zukunftsfähige Nahrungsmittelproduktion für eine wachsende Weltbevölkerung sicherzustellen.

Mit einer solchen grünen Wirtschaft geht für die ILO die Schaffung von geschätzt 60 Millionen neuer grüner Jobs in den nächsten zwei Jahrzehnten in aller Welt einher. Neue Arbeitsplätze entstehen durch den Übergang von einer energieintensiven zu einer arbeitsintensiven Produktion. Ein beruhigendes Ergebnis der ILO-Forschungsarbeiten lautet, dass der Verlust von Arbeitsplätzen in einigen umwelt- und klimaschädlichen Produktionssektoren durch die neu entstehenden grünen Jobs mehr als ausgeglichen wird.

Ein Ziel der Arbeitsmarktpolitik der einzelnen Länder muss es sein, dass junge Leute, Frauen und Arme besonders stark von den neuen Arbeitsmöglichkeiten profitieren. Für die ILO kommt es auch darauf an, dass grüne Jobs nicht nur umweltfreundlich ausgerichtet sind, sondern gleichzeitig gewährleistet ist, dass die Beschäftigten gute Arbeitsbedingungen, angemessene Löhne, eine Sozialversicherung, ein rechtlich abgesichertes Arbeitsverhältnis und Mitbestimmungsmöglichkeiten erhalten.

Gemeinsam mit Regierungen, Unternehmen und Gewerkschaften für „grüne Jobs“

Um diese Ziele zu erreichen, setzt die ILO die analytische Beschäftigung mit dem Konzept der grünen Jobs fort und berät Regierungen, Arbeitgeber und Gewerkschaften in vielen Ländern. Dabei geht es sowohl um die nationalen und internationalen politischen Rahmenbedingungen als auch um die konkrete Umstellung von Unternehmen entsprechend des Konzepts einer grünen Wirtschaftsweise und grüner Jobs.

Ein wichtiges Instrument des Programms sind detaillierte Untersuchungen des Potenzials für die Schaffung grüner Jobs in einzelnen Ländern. Eine solche Untersuchung liegt zum Beispiel für Mauritius vor („Green Jobs Assessment Mauritius“, pdf-Datei). Die Analyse berücksichtigt die wichtigsten Wirtschaftssektoren des afrikanischen Inselstaates: Zuckeranbau, Textilindustrie, Tourismus und Finanzdienstleistungen. Da das Land eine Diversifizierung der Wirtschaft anstrebt, um die Abhängigkeit von wenigen Sektoren zu überwinden, wird in der Studie auch untersucht, wie die Stärkung anderer Wirtschaftszweige wie Bauwesen, Fischerei und nachhaltige Energieerzeugung mit der Schaffung grüner Jobs gekoppelt werden kann. Die Untersuchungsergebnisse werden inzwischen umgesetzt in politische und unternehmerische Initiativen für den Übergang zu grüner Wirtschaft und grünen Jobs.

Im Rahmen diverser ILO-Länderprogramme wird die Schaffung grüner Jobs durch einen Übergang zu einer grünen Wirtschaft gefördert. In Fidschi befindet sich eine umweltfreundliche Abfallwirtschaft im Aufbau, in Sambia entwickelt sich eine umweltfreundlich arbeitende Bauwirtschaft, die umweltfreundliche Häuser errichtet, und in Südafrika wird in verschiedenen Wirtschaftszweigen die Gründung umweltfreundlich arbeitender Kleinunternehmen unterstützt.

Weitere Informationen zu dem „Grüne Jobs“-Programm finden Sie in der Broschüre der ILO.

Außerdem hat die ILO inzwischen ein Multimedia-Angebot zur Thematik „Green Jobs“ zusammengestellt.

 <- Zurück zu: Wirtschaft